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Warum wir keine Multimedia-Reportagen machen

Schnell, schlicht und verlässlich. Die Waiblinger Kreiszeitung konzentriert sich auf ihrem Online-Auftritt vor allem auf Echtzeitinformationen. Redaktionsleiter Frank Nipkau erklärt warum.

Polizeiberichte sind ein Schwerpunkt der Waiblinger

Jetzt diskutieren wir über Multimedia-Reportagen. Es gibt tolle Beispiele. Wieder ist die New York Times Vorreiter. Doch ich glaube nicht, dass es den Multimedia-Reportagen anders ergehen wird als der CD „Goethe in Weimar“. Denn der Schwerpunkt der Online-Nutzung bei regionalen Medien liegt anderswo: bei Echtzeitinformationen, Livetickern und Blaulicht-Geschichten. Zum Beleg: die Top-10-Artikel auf Zvw.de, der Internetseite der Waiblinger Kreiszeitung, im Jahr 2015:

1) Video: Zwei Tote bei Unfall mit Geisterfahrerin
2) Liveticker: TV Hüttenberg – TV Bittenfeld (Zweite Handball-Bundesliga)
3) Bilder und Video: Elf Verletzte bei Feuer in Hochhaus
4) Störungen bei der S-Bahn
5) Liveticker: TV Bittenfeld – Eisenach
6) Motorradfahrer erliegt Verletzungen
7) Arbeiten in 75 Meter Höhe
8) Liveticker: Rimpar Wölfe – TV Bittenfeld
9) Bilder: Schwerer Unfall am Teiler
10) Raubüberfall auf McDonald’s

Unter den Top 10 sind fünf Blaulicht-Geschichten. Das setzt sich fort: Unter den Top 60 auf Zvw.de finden sich 34 Blaulicht-Geschichten. Wir können hier sehr schnell – fast in Echtzeit – reagieren, denn das Polizeipräsidium Aalen informiert vorbildlich. Die Pressestelle oder der diensthabende Polizist schickt bei größeren Ereignissen sofort eine SMS, die nur einen Satz enthält. Mit dieser Erstinformation und einem Symbolbild gehen wir dann online. Das reicht völlig aus, um den Artikel über die sozialen Netzwerke zu verbreiten. Im Laufe des Tages wird der Artikel zu einem Bericht angereichert, eventuell mit Bildern und einem kurzen Video versehen.

Die übrigen Top-60-Artikel sind fast ausschließlich Liveticker: die Spiele des TV Bittenfeld, der in die erste Handball-Bundesliga aufgestiegen ist, zwei Bürgermeisterwahlen und die Wahl des Landrates. Unter den Top-60-Artikeln findet sich eine Reportage („Arbeiten in 75 Meter Höhe“). Hier geht es um die Verlegung einer Hochspannungsleitung. Einfach gemacht, eine Übernahme aus der Zeitung: 100 Zeilen Text, eine Infobox, fünf Bilder. Voraussetzung für den Erfolg im Internet ist die Relevanz. In diesem Fall liegt die Leitung über einer viel befahrenen Bundesstraße. Multimediale Elemente hätten diese Geschichte vielleicht noch interessanter gemacht. Doch der Aufwand dafür stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Im Internet gilt für Zeitungen unserer Größenordnung die Regel: sei schnell, schlicht und verlässlich. Deshalb werden wir uns weiter auf Echtzeitinformationen konzentrieren.

Frank Nipkau
ist Redaktionsleiter beim Zeitungsverlag Waiblingen.


Kontakt
Telefon 07151 – 56 62 70
E-Mail: Frank.Nipkau@zvw.de

 

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Veröffentlicht am 20. Juli 2015

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