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Lokaltipp März 2016

Perspektiven gespiegelt

Aus dem Hohenloher Tagblatt (Crailsheim) vom 24. November 2015

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Der Dreh:

„Das große HT-Interview“ – so heißt eine beliebte Gesprächsreihe des Hohenloher Tagblatts aus Crailsheim, deren Folgen einmal im Monat erscheinen. Auf ein bis zwei Seiten sprechen sowohl Prominente als auch Menschen wie du und ich über aktuelle Themen. „Im letzten November dominierten die steigenden Flüchtlingszahlen in der Region die Debatte“, erzählt Redakteur Sebastian Unbehauen. Erster Impuls der Redaktion sei es damals gewesen, ein Gespräch mit dem Landrat zu führen. „Uns war aber klar, dass es dabei vor allem um abstrakte Zahlen gehen würde. Deshalb wollten wir zusätzlich mit einem Flüchtling sprechen, um eine weitere, noch persönlichere Per­spektive zu erhalten“, erklärt Unbehauen. So wurde die Idee geboren, erstmalig zwei gleichberechtigte Interviews auf einer Doppelseite zu veröffentlichen. 

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Die Umsetzung:

Zunächst kontaktierte Redaktionsleiter Andreas Harthan den Landrat. Dieser war umgehend zu einem Gespräch bereit, das Unbehauen anschließend gemeinsam mit Harthan führte. Ähnlich unkompliziert gestaltete sich überraschenderweise die Suche nach einem Gesprächspartner aus den Reihen der Flüchtlinge. „Ein Kollege vermittelte mir den Kontakt zu einer Englisch sprechenden Syrerin“, erzählt Unbehauen. Nach der telefonischen Kontaktaufnahme besuchte der Redakteur sie in ihrer Unterkunft. Beim Gespräch mit dem Landrat standen besonders die Sorgen der Bürger und die Frage der Kapazitäten im Vordergrund. Gerade die ungleiche Verteilung der Flüchtlinge hatte zuvor für Kritik gesorgt. Die Syrerin hingegen erzählte, warum sie ihre Heimat verlassen hatte und wie sich ihre Ankunft in Deutschland gestaltete. „Die Interviewform sorgte dafür, dass sich Journalist und Flüchtling auf Augenhöhe begegneten“, meint Unbehauen. Der Artikel erschien auch im Netz. „Dort verzichteten wir jedoch auf die Fotos, da sich noch Verwandte der Frau in Syrien aufhalten“, erklärt der Redakteur. Für die Vorbereitung der Gespräche benötigte Unbehauen etwa zwei Tage. Insgesamt war er eine knappe Arbeitswoche mit der Produktion der Doppelseite beschäftigt. „Ein aufwendiges Format, doch ich würde jederzeit wieder auf solch ein Doppelinterview zurückgreifen, wenn es zum Thema passt“, meint der Redakteur abschließend.

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