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Lokaltipp April 2013

Vorurteile widerlegt

Aus dem Fränkischen Tag vom 20. Februar 2013

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Der Dreh:

Die Zeitung greift gängige Vorurteile gegen Asylbewerber auf und entkräftet 
sie mit Fakten.

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Die Umsetzung:

Im Januar 2012 erhängte sich in einem Asylbewerberheim in Würzburg ein Mann aus dem Iran. Er hatte sein Leben unter den widrigen Umständen im Exil nicht mehr ertragen. Dies löste Proteste unter Asylbewerbern aus. „Wir berichteten immer wieder über die Zustände in der Unterkunft und die Proteste“, erzählt Tobias Köpplinger, Mantelredakteur des Fränkischen Tags und Würzburg-Korrespondent des Blattes. Schon damals aber fielen ihm Kommentare von Passanten auf, die sich abfällig über Asylbewerber äußerten. „Jetzt steigen die Asylbewerberzahlen an, und das führt zu Unmut in der Bevölkerung“, sagt Köpplinger. „Als dann in Hammelburg bei einer Infoveranstaltung zu einer geplanten Unterkunft Ressentiments hochkochten, wollte ich das Thema aus dem Terminjournalismus herausheben und anders behandeln.“ So entstand die Idee, Vorurteile mit Fakten zu widerlegen. Kippliger nahm sich gängige Ressentiments vor: etwa, dass in der Nähe von Asylbewerberheimen die Sicherheit von Frauen bedroht sei, die Kriminalitätsrate steige oder rechtsextreme Gruppen angezogen würden. „Ich überlegte mir, wen ich für die verschiedenen Punkte kontaktieren könnte, um zu aussagekräftigen Daten zu kommen.“ In Fragen der Sexualitätsdelikte oder der Kriminalität im allgemeinen rief er bei der Polizei an. Er recherchierte die Zahl der Unterkünfte in der Region und nach welchem Schlüssel die Flüchtlinge verteilt werden. Zusätzlich zum Text mit dem Faktencheck, der bewusst sachlich und ohne Wertung geschrieben war, führte Köpplinger ein Interview mit einem Sozialpsychologen. „Mir war wichtig, mit einem Experten zu sprechen, der die diffusen Ängste, die in der Bevölkerung kursieren, erklären kann, denn die Ressentiments lassen sich mit Fakten ja nicht erklären“, sagt Köpplinger. Außerdem veranschaulichte die Grafikerin Susanne Röhrig die Zahl der Asylbewerber in drei Schaubildern. So wurde offensichtlich, wie wenige Menschen in der Region tatsächlich Asyl suchen – im Vergleich zur Bevölkerungszahl. „Ich glaube, es ist uns gelungen, den Bürgern eine Diskussionsgrundlage zu geben, die auf Fakten beruht“, sagt Köpplinger.

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