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Fall vom 1.8.2016

Transparent, ehrlich und fair

 

Seit einem Jahr gibt es bei der Lippischen Landes-Zeitung einen Redakteur, der sich der Sorgen und Probleme der Leser annimmt.

 

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Erol Kamisli ist Redakteur der Lippischen Landes-Zeitung. Seit einem Jahr kümmert er sich um die Anliegen der Leser in der Serie „Kamisli kümmert sich“.

TELEFON: 05231 – 91 11 51

E-MAIL: ekamisli@lz.de

 

Von Erol Kamisli

Polizeibeamte und Behördenmitarbeiter empfehlen sie und auch Bürgermeister zollen ihr Respekt: Die Serie „Kamisli kümmert sich“ hat seit 2015 in der Lippischen Landes-Zeitung (LZ) ihren festen Platz. Regelmäßig wird hier über die Probleme unserer Leser berichtet, die an der Bürokratie verzweifeln oder Streitigkeiten mit Nachbarn, Firmen und Krankenkassen nicht alleine lösen können. Bei Terminen, Gesprächen mit Pressestellen oder Geschäftsführern versuche ich, einen Kompromiss zu erreichen. Und es klappt! Viele Leser, die sich gemeldet haben, sind froh darüber, dass sie ausführlich und ohne Zeitdruck angehört werden. Ihre Beweggründe sind vielschichtig. Hier ein paar Beispiele:

Reisekosten

Ein Ehepaar sitzt auf gepackten Koffern, doch der Mann erkrankt – der Urlaub ist hin. Die Versicherung ziert sich, den finanziellen Schaden zu übernehmen, bis die LZ interveniert. Nach langen Telefonaten erstattet der ADAC schließlich 80 Prozent der Reisekosten – immerhin 548,80 Euro.

Auto stillgelegt

Die Polizei hält eine  Kinderkrankenschwester an und legt ihr Auto still, da die Reifen zu breit und nicht verkehrssicher seien. Danach steht das Auto vier Wochen auf einem Parkplatz – nach unserer Intervention darf sie sich wieder ans Steuer setzen.

Klappernde Kanaldeckel

Eine 60-jährige Frau kann nicht schlafen, denn vor ihrem Schlafzimmerfenster klappern pünktlich ab 4.30 Uhr die defekten Straßenkanaldeckel. Erst als die LZ nachhakt, tauschen die Abwasserwerke die Deckel aus.

Drei von vielen Fällen, in denen die Leser teils verzweifelt angerufen und um Hilfe gebeten haben. Die Erfolgsergebnisse veröffentlichen wir im Blatt, auf LZ.de und in den sozialen Medien. Die Hilfesuchenden – manche Leser stehen ohne Termin bei mir im Büro – erzählen von der Ohnmacht gegenüber Behörden, den langen Fehden mit Nachbarn, Geschwistern oder dem Ex und öffnen mir ihr Herz. Dann bin ich plötzlich mitten drin im Leben von Menschen, die ich vorher nicht gekannt habe – das  Vertrauen, das diese Menschen zeigen, ist enorm und rührend.

Nicht immer enden die Geschichten bei „Kamisli kümmert sich“ erfolgreich, ein Anruf bei mir in der Redaktion ist keine Garantie. Die Recherche kann einige Tage dauern. Dies ist nicht immer leicht für die Betroffenen, die ungeduldig auf neue Nachrichten in „ihrem Fall“ warten. Ich mache schon im ersten Gespräch darauf aufmerksam, dass vor einer Veröffentlichung alle Beteiligten zu Wort kommen müssen. Denn nur durch Transparenz, Ehrlichkeit und Fairness kann aus meiner Sicht eine Lösung gefunden werden, mit der alle Beteiligten leben können.

Die Zwischenbilanz nach mehr als einem Jahr ist positiv: Die Leser haben das Format sehr gut angenommen und der LZ viel Vertrauen geschenkt. Das Bedürfnis nach einer direkten Kommunikation mit „ihrer LZ“ ist enorm. Diese zu stillen, bereichert meine tägliche Arbeit in der Redaktion – ich bekomme Dankesbriefe und so viele Süßigkeiten, dass sich darüber auch meine Kollegen freuen.

Hier geht’s zu „Kamisli kümmert sich“: www.lz.de/kamisli

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