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Fall vom 1.3.2012

Gute und schlechte Nachrichten

 

Die große Zahl schlechter Nachrichten im Blatt bewegt die Leser immer wieder. Die Leseranwältin erklärt, was aus welchem Grund in der Zeitung steht.

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Kerstin Dolde ist Verantwortliche Redakteurin Regionales und Leseranwältin der Frankenpost (Hof).

TELEFON: 09281 – 81 61 00
E-MAIL: kerstin.dolde@frankenpost.de
INTERNET: www.frankenpost.de/regional/leseranwalt/

Egal, ob die Zeitung einmal nicht im Briefkasten liegt, ob der Bericht über den Vereinsausflug zu stark gekürzt worden ist oder der Leitartikel „so heute gar nicht geht“: Leserinnen und Leser laden ihren Ärger bei der Leseranwältin ab. Sie landen bei mir ganz ohne Umweg über eine Telefonvermittlung oder ein Vorzimmer. Und das ist gut so. Denn die Leseranwältin ist schließlich Anlaufstelle für alle. Der „heiße Draht“ glüht nicht nur wegen der Beschwerden, sondern besonders wegen der vielen Fragen und Hilferufe, die über mich an die Redaktion herangetragen werden. Wir versuchen, Lösungen für die kleinen und großen Probleme des Alltags zu finden. Für die Rubrik „Frage des Tages“ gehe ich auf die Suche nach einer Experten-Antwort. Bei großen Problemen, etwa wenn manche Leser Behördenhürden nicht alleine überwinden können, schalte ich mich ein oder vermittle an einen Kollegen weiter. Und oft erkläre ich auf Nachfragen, warum sich die Redaktion in dem einen oder anderen Fall gerade so entschieden hat.

Zweifellos kann Sprache nichts dafür und auch nicht der Autor des Beitrags. Er hat richtig zitiert. Und dem Künstler, der wohl weiß, was er da gesagt hat, ist fast jedes Spiel mit Worten erlaubt, zumal auch das seine Kunst ausmacht. Darin ist er frei. Ebenso wie es der Leserin freigestellt ist, Gags und deren Sprache nicht gut zu finden oder derartige Veranstaltungen zu meiden.

Ein Beispiel: Meldungen über Gewalttaten, über Katastrophen und menschliches Elend finden sich in jeder Zeitung. Für manche Leser sind es schon mal der dunklen Seiten des Lebens zu viel. So lautet eine Frage an die Leseranwältin dann und wann: „Warum bringt Ihr nur schlechte Nachrichten? Schreibt doch nur Gutes.“ Diesen Anrufern sage ich: In jeder Ausgabe einer Zeitung findet sich auch viel Schönes, Positives, Beispielgebendes und Mutmachendes. Überschriften auf dem Titel wie „Arbeitsmarkt profitiert von guter Konjunktur“ oder „Deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf“ sind beredte Beispiele. Und solche ziehen sich durch die ganze Zeitung. Ich schlage diese dann schon einmal auf und führe aktuelle Schlagzeilen oder Geschichten zum Beweis an. Das geht ganz einfach.

In meiner wöchentlichen Rubrik „Auf ein Wort“ ist Raum für Grundsätzliches. Dort greife ich solche Themen auf. Die Leserinnen und Leser erfahren, dass die Diskussion „gute Nachricht – schlechte Nachricht“ schon seit Generationen die Medienwissenschaft bewegt. Hier kann ich erklären: Was macht die Nachricht zur Nachricht? Dann weise ich darauf hin, dass eine wesentliche Messlatte der „Nachrichtenwert“ ist. Dass Ereignisse dann in die Zeitung kommen, wenn sie für Zeitungsleser einen Neuigkeitswert und gleichzeitig einen Informationswert besitzen. Der Servicegedanke hat doch längst auch in Zeitungsredaktionen Einzug gehalten.

Doch, auch das kann ich den Lesern vermitteln: In einer Tageszeitung wird es immer Meldungen geben über tödliche Unfälle oder die schlechte Haushaltslage in Städten und Gemeinden. Informationen von lokalem Interesse müssen stets wesentlicher Bestandteil des Gesamtpakets Regionalzeitung sein. Und nicht zu vergessen: Die Redaktion macht keine Nachrichten, sie berichtet „nur“ darüber.

So dürfen in einer solchen Zeitung Meldungen über Krisen, Kriege oder Katastrophen nicht unter den Tisch fallen. Aber es wird immer breiten Raum geben für Artikel über Menschen, die etwas Besonderes leisten, für Geschichten über junge Leute, die sich ehrenamtlich engagieren, oder für Reportagen über Behinderte, die Nichtbehinderten ein großes Vorbild sein können. Jede Zeitung ist eben eine bunte Palette von Schlaglichtern aus dem Leben. Darauf können sich unsere Leser verlassen.

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