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Interviews

Tina Chemnitz und Michael Husarek waren bei der Fachtagung Crossmedia des Mediencampus Bayern.

Stefan Fößel

Crossmedial in die Zukunft

Im Juli lud der Mediencampus Bayern zur Fachtagung Crossmedia ein. Es ging um neue Erzählformen, Social Media, Live-Berichterstattung und Datenjournalismus. Profilierte Medienmacher stellten ihre Praxiskonzepte für Print, Radio und Fernsehen vor. Nun sprach die drehscheibe mit zwei Teilnehmern der Tagung, mit Tina Chemnitz von der Pegnitz-Zeitung und Michael Husarek von den Nürnberger Nachrichten. Wir wollten wissen, welche Erkenntnisse sie von dem Treffen mitgenommen haben. In einem Vierteljahr werden wir noch einmal mit ihnen sprechen, um zu erfahren, welche der neugewonnenen Ideen sie in der Zwischenzeit im Redaktionsalltag umsetzen konnten.

Tina Chemnitz

„Allen ist klar, dass man sich online aufstellen muss“

 

Frau Chemnitz, was hat Sie dazu bewegt, an der Fachtagung Crossmedia teilzunehmen?


Wir nehmen immer wieder gerne an solchen Veranstaltungen teil. Crossmedia ist natürlich ein Thema, das uns sehr beschäftigt. Wir geben ja nicht nur unsere Zeitung heraus, sondern betreiben auch eine Homepage, die betreut und mit Artikeln bestückt werden muss. Wir haben auch einen Facebook-Auftritt und sind auf Twitter aktiv.

Was waren Ihre Eindrücke auf der Tagung?

Für uns war es interessant, auch mal zu sehen, wie andere mit dem Thema umgehen, wie andere Zeitungen, aber auch Radio- und Fernsehsender das handhaben. Allerdings sind wir ein relativ kleiner Verlag mit geringen personellen Möglichkeiten. Die Modelle der größeren Verlage, die auf der Tagung vorgestellt wurden, sind nicht so leicht auf unsere Situation zu übertragen.

Welche Erkenntnisse nehmen Sie mit?

Mir wurde klar, dass auch andere nicht genau wissen, wie sie mit den neuen technischen Möglichkeiten umgehen sollen, vor allem Verlage unserer Größe. Interessant fand ich den Bericht vom Leiter des Funkhauses Aschaffenburg. Da wurde offensichtlich, dass viel mit Planung zu tun hat, etwas, das bei uns noch verbessert werden kann. Die Aschaffenburger machen zu Beginn der Woche eine große Konferenz, in der sich alle zusammensetzen und besprechen, welches Ressort welchen Termin übernimmt etc. Zum Teil können wir das als kleiner Verlag aber gar nicht auf diese Art umsetzen.

Wie sind Sie personell in Sachen Online aufgestellt?

Wir arbeiten vor allem im Printbereich mit den Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung zusammen, die uns den Mantelteil liefern. Wir selbst produzieren nur den Lokalteil. Außerdem gibt es bei uns im Nürnberger Land drei sogenannte Heimatzeitungen – die Hersbrucker Zeitung, Der Bote in Feucht und meine Zeitung, die Pegnitz-Zeitung. Diese drei kooperieren noch einmal untereinander als Medienverbund Nürnberger Land. Gemeinsam betreiben wir das Online-Portal n-land.de. Das deckt den gesamten Nürnberger Landkreis ab. Ich kümmere mich um das Portal im Rahmen einer halben Stelle. Wir haben außerdem einen externen Dienstleister, der das technische Knowhow einbringt. Und ich habe Ansprechpartner in den Redaktionen. Ich bin darauf angewiesen, dass alle Redaktionen mitmachen. Das heißt, ich kann zum Beispiel nicht sämtliche Bildergalerien selbst erstellen. Im Prinzip arbeiten da mehrere Kollegen mit.

Crossmedia wird in den Redaktionen landauf, landab unterschiedlich angenommen. Mancherorts gibt es eine Aufbruchsstimmung, da sagen die Kollegen: Ja, die Zukunft ist digital. Andernorts klagen die Redakteure: Muss ich das jetzt auch noch machen? Wie ist das bei Ihnen?

In der Pegnitz-Zeitung gab es von Anfang an viele, die mitmachen wollten. Es twittern auch alle, und jeder nutzt Facebook. Wir stellen auch sofort etwas online, wenn im Lokalen etwas passiert, ein Unfall oder dergleichen, wir haben da keine Hemmungen und denken auch nicht, dass wir dadurch Print etwas wegnehmen. Wir packen die Themen hierfür anders an und nehmen das Medium als ein eigenes wahr. Als wir mit dem Portal begonnen haben, gab es Diskussionen mit den beiden anderen Reaktionen, manche meinten, wir würden uns damit etwas kaputtmachen. Aber auch dort kamen inzwischen viele junge Leute nach, die es ähnlich handhaben wie wir. Allen ist inzwischen klar, dass man sich online aufstellen muss, wenn man in der Zukunft dabei sein will.

Tina Chemnitz ist Redakteurin der Pegnitz-Zeitung.

Michael Husarek

„Twittern ist wichtiger als gedacht“


Herr Husarek, was hat Sie dazu bewogen, an der Fachtagung Crossmedia teilzunehmen?

Der Hauptbeweggrund war der, dass die klassische Printredaktion, die nur für die gedruckte Zeitung arbeitet, sich immer wieder neuen Entwicklungen anpassen können muss. Insofern ist es naheliegend, sich zu informieren, wohin der Weg führen kann.

Haben Sie von der Tagung spezielle Erkenntnisse mitgenommen?

Mit Sicherheit die Erkenntnis, dass das Thema Twittern wichtiger ist als gedacht. Unser Hauptstadtkorrespondent Harald Baumer hat uns da auf der Tagung ein paar hilfreiche Tipps und Tricks vermittelt, sodass wir uns als Redaktion jetzt intensiver mit dem Thema befassen wollen.

Welche Rolle spielt Crossmedia derzeit in Ihrer Redaktion?

Wir betreiben eine Onlineplattform, nordbayern.de, die speziell auch unsere Marke, die Nürnberger Nachrichten, mitbedient. Hier besteht eine Schnittstelle zwischen Print und Online. Bei uns am Newsdesk sitzen den ganzen Tag auch Kollegen von der Online-Redaktion mit dabei, wobei wir aber in Teilbereichen dennoch separat arbeiten. Grundsätzlich halte ich das für richtig. Derzeit gehen wir aber auch bei der Themenplanung noch getrennt vor. Die Tagung hat mir gezeigt, dass man das ändern sollte, um von vorneherein Geschichten gemeinsam zu planen. Da sehen wir noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Sie haben also Ideen mitgenommen, die Sie konkret umsetzen wollen?

Auf jeden Fall. Wie es dann im Redaktionsalltag umgesetzt werden kann, muss man sehen, aber es ist in jedem Fall eine Diskussionsgrundlage, auf der wir weitermachen.
 

Michael Husarek ist stellvertretender Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten.

 

Interviews: Stefan Wirner

 

Veröffentlicht am 19. August 2013


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