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Thomas Kloß ist Chefredakteur von DerWesten.de

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„In den Titelköpfen wird weiterhin DerWesten stehen“

Ab 27. Oktober 2011 wird DerWesten.de, die Internetseite der WAZ-Gruppe, in einem neuen Erscheinungsbild zu sehen sein. In einem zweiten Schritt des Relaunches sollen zum neuen Jahr die einzelnen Zeitungstitel, die bisher unter DerWesten.de zusammengefasst sind, wieder unter eigenen URLs erreichbar sein. Über die Bedeutung dieses Schrittes sprach die drehscheibe mit Thomas Kloß, dem Chefredakteur von DerWesten.de.

Herr Kloß, ist das Modell mit der Dachmarke DerWesten gescheitert?

Nein, wir sehen den Schritt als eine konsequente Weiterentwicklung und bekommen das vom Markt auch so zurückgespielt. Auf der einen Seite behalten wir die Stärke, die uns eine Dachmarkenstrategie bei der Reichweite und in der Vermarktung bringt. Auf der anderen Seite rücken wir für unsere Nutzer die ihnen vertrauten Zeitungstitel wieder stärker in den Vordergrund. Unsere Leser und Nutzer sollen sich in einer Markenwelt bewegen, gleichgültig, ob sie im Netz unterwegs sind, auf dem Smartphone oder über Apps Inhalte von uns lesen oder sich die Printausgabe kaufen.

Sie wollen also das Lokale mehr betonen?

Wir sind mit den Zeitungen klar Markt- und Meinungsführer in unserer Region. Nur mit den lokalen und regionalen Inhalten können wir uns von  Mitbewerbern unterscheiden. Im Web, wo ja der nächste Anbieter nur einen Klick entfernt ist, bildet gerade das Lokale unser Alleinstellungsmerkmal. Die WAZ-Gruppe hat in NRW fast 100 Lokalausgaben. Wir sind hier also nah dran am Geschehen und machen das auch bei unseren Online-Angeboten deutlich. Es mag zwar nach einem etwas einfachen Rezept klingen, als Regionalverlag auf regionale Inhalte und Sport zu setzen, aber wenn man es richtig machen will, steckt dahinter ein großer Aufwand. Denn wir haben nicht nur den Anspruch, das regionale Geschehen abzubilden, wir wollen mit unserem dichten Netzwerk von Journalisten in NRW  das kommentierfreudigste und vor allem das schnellste Nachrichtenportal für die Region zu sein. So hatten wir zum Beispiel die Nachricht von der bevorstehenden Entlassung Felix Magaths bei Schalke 04 exklusiv, und wenn Sie ein Nachrichtenmedium in der fußballverrücktesten Region Deutschlands  sind, ist das entscheidend.

Lässt sich denn auch an den Klickzahlen ablesen, dass die Nutzer von Ihnen vor allem lokale und regionale Inhalte erwarten?

Ja, wir bedienen unsere User mit den Inhalten, die sie haben wollen – Regionales und Sport. Diese Ausrichtung steht im Mittelpunkt, seitdem ich Anfang des Jahres Online-Chefredakteur geworden bin. Insofern ist auch der Relaunch jetzt nicht als Neuanfang zu sehen. Unsere Zahlen bestärken uns: Im September haben wir mit 9,77 Millionen Gesamt-Visits unser bislang bestes Ergebnis erzielt. Wir konnten die Besuche im Vergleich zum selben Monat im Vorjahr um 25 Prozent steigern. 

Wenn es so gut läuft, warum braucht es dann überhaupt einen Relaunch?

Gerade deshalb. Wir haben einen erfolgreichen Weg gefunden und gehen den nächsten Schritt. Wir wollen uns noch stärker fokussieren und unser Profil trennschärfer herausarbeiten. Nur ein Beispiel: Wenn Sie jetzt auf unsere Seite gehen, ist das Ressort Sport eines von vielen. Über das neue Design können wir viel gezielter Schwerpunkte setzen. Natürlich werden wir auch zukünftig das gesamte Nachrichtenspektrum abbilden. Aber wo es möglich ist, brechen wir die überregionalen Themen herunter und setzen regionale Schwerpunkte.

Was geschieht mit der Seite DerWesten.de, wenn die einzelnen Zeitungstitel wieder ihre eigenen URLs bekommen?

Es wird dann Seiten mit den starken Marken WAZ.de, WR.de, NRZ.de, Westfalenpost.de und IKZ-Online.de geben. In den Titelköpfen wird aber weiterhin – nur kleiner -  DerWesten stehen, als Dachmarke eben.

Interview: Jan Steeger

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