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Thomas Hauser ist Chefredakteur der Badischen Zeitung.

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„Ohne tiefe Verwurzelung im Lokalen hat man heute keine Chance mehr“

Die Badische Zeitung erhält den Lokaljournalistenpreis 2012 der Konrad-Adenauer-Stiftung  in der Kategorie Service. In der preisgekrönten Serie wurden Stadtteile Freiburgs auf ihre Alltagstauglichkeit untersucht. Die drehscheibe sprach darüber mit Chefredakteur Thomas Hauser. 

Herr Hauser, was bedeutet Ihrer Redaktion dieser Preis? Wie wurde die Ehrung aufgenommen?


Die Redaktion hat sich sehr gefreut, keine Frage. Auch wenn man sagen kann: Sie ist es fast gewohnt. Die Stadtredaktion Freiburg hat nun den dritten Preis innerhalb weniger Jahre gewonnen. Doch dieser Preis ist ein besonderer, denn das Projekt war ein sehr aufwendiges und außergewöhnliches.

In der Begründung der Jury heißt es, es habe sich um „Generalstabsarbeit gepaart mit journalistischer Entdeckerfreude und Recherchefleiß“ gehandelt. Wie viele Mitarbeiter waren an der Serie beteiligt? Wie konnten die nötigen Kapazitäten freigeschaufelt werden?


Ich kann Ihnen gar nicht definitiv sagen, wie viele Leute daran beteiligt waren. Der Kollege Thomas Jäger, der die Serie betreut hat, hat immer wieder sehr viel Kreativität entwickelt, um auch freie Mitarbeiter und Praktikanten einzubinden, da sich das Projekt im Laufe der Zeit immer weiter ausgeweitet hat. Es war anfangs deutlich kleiner geplant gewesen. Wir haben aber bewusst zusätzliche personelle Kapazitäten in Form einer Zeitstelle geschaffen, weil wir ahnten, dass es etwas Größeres werden konnte.

Wie kommt die Redaktion auf solche Ideen? Gibt es eine Art institutionalisierte Ideensammlung, ein regelmäßiges Brainstorming?


Es gibt regelmäßig Überlegungen, wie wir uns um die Stadtteile und den niedrigschwelligen Lokaljournalismus kümmern können. Es besteht  ja in einer größeren Stadt immer die Gefahr, dass dies ein wenig vergessen wird. Deshalb überlegt man regelmäßig, welche Möglichkeiten es gibt.

Also ist das Hyperlokale für Ihre Zeitung immer ein Thema?


Auf jeden Fall. Wir legen zwar durchaus auch Wert auf einen guten Mantel, wissen aber gleichzeitig, dass man ohne eine tiefe Verwurzelung im Lokalen heute keine Chance mehr hat.

Welchen Stellenwert nimmt in Ihrer Zeitung der Service ein?


Es hat einen großen Stellenwert. Mit dieser Serie wollten wir das Thema bewusst stärken. Wir haben im vergangenen Jahr auch eine Leserumfrage durchgeführt, die uns genau in diesem Punkt Interesse und Bedarf signalisiert hat und gezeigt hat, dass die Leser noch ein bisschen mehr nutzwertige Hilfe für ihren Alltag haben wollen. Insofern haben wir uns im Nachhinein bestätigt gefühlt.

Gibt es bei Ihnen Mitarbeiter, die sich speziell um Servicethemen kümmern?


Aus dem Erfolg der Serie und dem Ergebnis der Leserumfrage haben wir den Schluss gezogen, dass wir das stärker systematisieren müssen. Das war bisher so nicht der Fall.

Haben Sie derzeit etwas Vergleichbares laufen?


Das Projekt war so umfassend, dass wir es gar nicht in einem Jahr abschließen konnten. Derzeit läuft die zweite Welle – wir beleuchten gerade die Stadtteile, die wir im vorigen Jahr nicht mehr geschafft haben. Ansonsten prüfen wir ein paar Dinge. Dazu kann ich Ihnen allerdings noch nichts Konkretes sagen. Aber wir werden mit Sicherheit dies Jahr noch das eine oder andere initiieren.

Hier gibt's die Serie im Überblick.

Hier geht’s zu den anderen Preisträgern und den Jury-Begründungen.

Interview: Stefan Wirner

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