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Silke Hellwig ist Chefredakteurin des Weser-Kuriers.

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„Die Zeitung beginnt zu leben“

Augmented Reality heißt die Technologie, mit der Leser des Weser-Kuriers neuerdings vertiefende Informationen zu den Zeitungsartikeln über ihr Smartphone abrufen können. Gleichzeitig richtete die Zeitung ein Premiumportal und eine Bezahlschranke ein. Chefredakteurin Silke Hellwig erklärt die Hintergründe der digitalen Offensive.

Mit dem Smartphone den Zeitungsraum erweitern: Augmented Reality. Foto: Lennart Helal

Frau Hellwig, einen Schwerpunkt der Neuerungen beim Weser-Kurier bilden Augmented Reality-Anwendungen. Was genau erwartet den Leser?


Augmented Reality, also schlicht übersetzt „erweiterte Realität“, basiert auf einer Software, die die Umrisse und Kontraste auf Zeitungsfotos identifizieren kann. Der User lädt unsere kostenlose App herunter, hält sein Smartphone auf das Foto und kann so weitere Inhalte abrufen – Videos, Audiodateien, Hintergründe, Kontaktadressen oder Links zu anderen Seiten. Der Leser kann die Zeitung quasi ausklappen, ohne dass sie dicker wird. Print und Online verschmelzen miteinander. Der totgeglaubte Printjournalismus wird neu belebt und damit auch für jüngere Leser wieder interessant.

Wie lange haben Sie daran gearbeitet?


Das ging recht schnell. Die App wurde von einer Firma programmiert. Für uns ging es eher darum, sich an eine neue Arbeitsweise zu gewöhnen. Wir müssen anders planen. Wenn wir beispielsweise eine Serie konzipieren oder eine Doppelseite zu einem bestimmten Thema, müssen wir immer auch überlegen, wie wir das Thema ausbauen können, was wir als zusätzliche Anwendungen anbieten können. Das war und ist für uns die Herausforderung.

Wie haben Sie das redaktionsintern gelöst? Wurden eigens Leute eingestellt?


Ja, wir haben jemanden eingestellt. Der Kollege betreut auch andere digitale Projekte bei uns. Letztlich ist der Zeitaufwand nicht allzu groß. Wir haben eine Videoeinheit, die bereits für die Online-Redaktion Videos macht. Diese Videos hinterlegen wir zum Beispiel bei den Zeitungsbildern. Weiterführende Infos, also etwa Hintergründe zu einer bestimmten Person oder zu bestimmten Stichwörtern, steuern manchmal Redakteure oder aber der neue Kollege bei. Der inhaltliche Aufwand ist also nicht so groß. Es ist wirklich die Planung, die die meiste Zeit kostet.

Wie waren die Reaktionen der Leser?


Sehr gut. Es ist ja etwas ganz Neues. Die Zeitung beginnt buchstäblich zu leben. Das kommt besonders bei technikaffinen Lesern gut an. Für genaue Klickzahlen oder Bilanzen ist es noch etwas zu früh.

Gleichzeitig haben Sie eine Bezahlschranke eingeführt. Sie haben sich dabei für eine metered paywall entschieden. Warum?


Die Überlegung war: Wir wollen die Leser von der Qualität unserer Zeitung überzeugen. Wir bieten ihnen die Möglichkeit, 15 Artikel pro Monat kostenfrei zu lesen, um sich einen Eindruck zu verschaffen, erst dann müssen sie bezahlen. Unser Anspruch ist es, den Leser durch Qualität und Kompetenz zu überzeugen – wie bei einem Print-Probeabo.

Wie nehmen die Leser das auf?


Wir haben mit vielen Negativreaktionen gerechnet, aber dem war nicht so. Über 90 Prozent unserer verkauften Auflage ist abonniert. Und Abonnenten stehen natürlich hinter dem Modell. Sie bezahlen ja ihre Zeitung und haben wenig Verständnis dafür, dass Inhalte, wie bisher üblich, online verschenkt werden.

Der dritte Aspekt der Neuerungen ist das sogenannte Premiumportal premium.weser-kurier.de. Was erwartet den Leser dort?


Fortlaufend aktuelle Neuigkeiten. Es ist ja so: Der Tageszeitungsjournalist, der sich auf die Printausgabe konzentriert, sammelt den Tag über Informationen, formuliert sie bis zum Abend und am nächsten Tag erscheint sein Text in der Zeitung. Für das Premiumportal arbeiten wir anders. Wir sammeln Informationen und veröffentlichen sie quasi umgehend. Der User muss nicht bis zum nächsten Morgen warten. Er sieht, wie sich die Recherchen zu einem Thema im Laufe des Tages weiter ergänzen. Er wird aktuell auf dem Laufenden gehalten, auch durch regionale Informationen zu überregionalen Themen. Er kann Artikel lesen, sobald sie fertig und redigiert sind. Und das zu einem Aufpreis von vier Euro. Zudem kann der Premiumabonnent in unserem Digital-Archiv auf alle Ausgaben des Weser-Kuriers seit September 1945 zurückgreifen. Er hat Zugriff auf alle unsere E-Paper-Versionen, auf unsere Apps, auf die Tablet-Version und auf eine umfangreiche Rezeptsammlung.

Interview: Sascha Lübbe

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Kontakt:
Silke Hellwig
Chefredaktion
Weser-Kurier
E-Mail: silke.hellwig@weser-kurier.de
Telefon: 0421 – 36 71 30 90


Veröffentlicht am 16. September 2013

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