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Peter-Stefan Greiner ist Gründer der Online-Zeitung NNZ.

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„Was im Nachbardorf geschieht, erfährt man bei uns“

Es ist eine dieser lokalen Erfolgsgeschichten, die nicht so leicht zu erklären sind. Seit dem Jahr 2000 bereits betreibt Peter-Stefan Greiner die unabhängige  Internetzeitung Neue Nordhäuser Zeitung. Das Online-Magazin aus Thüringen setzt ausschließlich auf lokale Inhalte. Wie sich das unabhängige Portal halten konnte und wie es sich erweitern will, erläutert Gründer Peter-Stefan Greiner im drehscheibe-Interview.

Auf das Bild klicken, dann geht's zur NNZ.

Wie kam es zur Gründung der NNZ?


Ich habe mich bereits 1999 mit dem Internet und seinen Möglichkeiten befasst. Damals steckte das ja alles noch in den Kinderschuhen. Anfang 2000 aber kamen die ersten Programme auf den Markt, die es sogar Laien ermöglichten, sich mit einer Art Baukastensystem eine Seite zusammenzubasteln. Da sah ich die Möglichkeit, den Menschen da draußen zu zeigen, dass es außer den Lokalausgaben des Monopolisten in der Region noch jemand anderen gibt, der schnelle und vor allem andere Informationen anbieten kann. Im Juni 2000 habe ich dann diese Plattform aus der Taufe gehoben.

Welche Grundidee steckte dahinter?


Wir wollten den Menschen hier eine Alternative bieten zum üblichen Tageszeitungsgeschäft. Es ging nicht darum, noch eine Seite mit Informationen aus aller Welt zu eröffnen, sondern Nachrichten darüber anzubieten, was die Menschen vor Ort bewegt – was bei ihnen in der Kreisstadt, im Dorf, in ihrer Straße passiert. Also ihnen das zu berichten, was sich am selben Tag in ihrer Umgebung ereignet hat, sodass sie nicht warten müssen, bis die Lokalausgabe ihrer Tageszeitung darüber schreibt. Der Fokus des Projektes lag konsequent auf dem Lokalen. Das war von Anfang an so. Ich war schon immer im Lokalen unterwegs, weil ich es liebe und schätze und weil ich diesen Zweig des Journalismus hochhalte.

Wie verlief die Anfangszeit?


Das war eine aufregende Zeit voller Gründereuphorie. Meine Frau und ich haben Werbung für das Ganze gemacht, haben Zettel in die Briefkästen gesteckt, auf denen stand: „Papierzeitung war gestern, Internet ist heute“. Dann kamen aber die ersten Rückmeldungen, die sagten: „Inhalt top, Aussehen Flop.“ Das sah eben alles noch nicht professionell aus. In dieser Zeit gründete sich gerade die Agentur Wirsinds, die sich auf Webdesign spezialisiert hatte. Und da kam es zu dieser Zusammenarbeit, die bis heute anhält. Unser gemeinsames Konzept beinhaltet, dass der Leser von der Startseite aus schnell zu der lokalen Information gelangen kann, die er haben will. Das dauert bei anderen Portalen oftmals fünf, sechs Klicks, bis man dort ist. Bei uns geht es schneller. Die klare Struktur der Seite ist ein Grund für unseren Erfolg.

Wie viele Mitarbeiter sind heute an dem Projekt beteiligt?


Wenn man nur den redaktionellen Bereich betrachtet, sind es zwei Mitarbeiter, die auf Honorarbasis arbeiten, und ich. Ansonsten lebt dieses Projekt von vielen Beteiligten: von Vereinen, Verbänden, von Leuten, die wissen, hier gibt es kein Honorar, aber wenn wir etwas einschicken, wird es bearbeitet und veröffentlicht. Das ist ein lockeres Netzwerk, das uns täglich mit bis zu 50 Nachrichten versorgt.

Wie sichern Sie die journalistische Qualität der Beiträge?


Das ist immer ein Vabanque-Spiel. Der Bericht über eine Harzwanderung eines Vereins muss nicht hochwissenschaftlich fundiert sein und journalistisch umgearbeitet werden. Einen Wanderbericht muss man nicht neu erfinden. Aber man sieht den Text natürlich durch auf Grammatik, Orthografie und Stilistik etc. und bastelt noch ein wenig daran. Dabei sollte man aber immer im Hinterkopf haben: Diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben und unserer Redaktion einen Text zur Verfügung gestellt haben, müssen sich darin auch wiedererkennen. Ihre Berichte völlig umzuschreiben, wäre völlig falsch. Etwas anderes ist es zum Beispiel, wenn wir uns in die kommunale Politik einmischen. Wenn es um eine Stadtratssitzung geht, sitze ich in der Regel dort mit dem Laptop und schreibe live darüber. Die Bewertung, die Geschichte hinter dem Beschluss zu finden, das ist die Aufgabe der kommenden Tage. Aber die erste Information – was beschlossen wurde etc. – das sollen unsere Leser noch am Tag der Stadtratssitzung auf unserer Seite lesen können.

Sie setzen stark auf Elemente wie Fotos, Webcam, Videos, es gibt das NNZ-TV.


Ja, das stimmt. Bereits im Jahr 2001 habe ich die erste digitale Fotokamera angeschafft, damals eine Kodak, die wog eineinhalb Kilo und hatte eine Speicherkapazität von 12 MB. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Aber wir haben schon damals digitale Fotos online gestellt. Wir veröffentlichen heute zum Beispiel zu Texten zusätzlich Audiobeiträge, wir haben 2010 die Videoplattform NNZ-TV gegründet, das sind Dinge, die werden nachgefragt. Übers Fernsehen erfährt man heute Neuigkeiten aus aller Welt, was in Thüringen passiert, erfährt man über die dritten Programme. Aber was im Nachbardorf geschieht, in der nächsten Kreisstadt, vor der Haustür, das kann man bei uns erfahren – im Ton oder auch in bewegten Bildern.

Wie gut besucht ist Ihre Seite?


Wir hatten anfangs, im September und Oktober 2000, um die 7.500 bis 9.000 Seitenaufrufe im Monat. Im Januar 2012 hatten wir über drei Millionen, im Schnitt sind es 2,6 bis 2,7 Millionen Aufrufe im Monat. Im Vergleich dazu die Zeitungsgruppe Thüringen, zu der drei Tageszeitungen gehören: Sie hatte mit allen Seiten und zusätzlichen Portalen im vergangenen Monat 11.5 Millionen Aufrufe. Das heißt: Wir sind nicht uninteressant.

Sie erweitern sich ständig. Was kommt als nächstes?


Wir haben 2007 die Kyffhäuser Nachrichten etabliert, da geht es um unseren Nachbarlandkreis, mit dem uns viel verbindet. 2010 kam die Videoplattform dazu, und im Herbst nächsten Jahres gehen wir in den nächsten Landkreis, nach Eichfeld, und breiten uns weiter aus wie eine Krake.

Wie finanziert sich das Ganze?


Die Interplattformen finanzieren sich ausschließlich aus den Werbebannern. 80 Prozent dieser Werbeplätze besetzen regionale Unternehmen: Volksbank, Stadtwerke bis hin zum Friseur um die Ecke. Das trägt sich wirtschaftlich. Wir haben bis Anfang 2002 ohne jegliche Einnahmen gearbeitet. Dann kamen die Leute auf uns zu und haben gesagt, sie würden gerne bei uns werben. Heute können wir ohne finanzielle Not diese kleine Expansion in den Nachbarlandkreis betreiben.


Zur Person: Peter-Stefan Greiner war von 1990 bis 1995 Redaktionsleiter der Nordhäuser Zeitung, von 1995 bis 2007 Leiter des Regionalstudios Nordthüringen der Landeswelle Thüringen. Im Jahr 2000 gründete er die Online-Zeitung Neue Nordhäuser Zeitung, 2007 verließ er die Landeswelle und konzentrierte sich auf sein eigenes Projekt. Hinzu kamen 2007 die Online-Zeitung Kyffhäuser Nachrichten und 2010 die Videoplattform NNZ-TV. In Vorbereitung ist die Gründung der Online-Zeitung Eichsfelder Nachrichten.

Kontakt:
Peter-Stefan Greiner
Presse Service Greiner und nnz/kn-Redaktion
Richard-Dehmel-Straße 9
99734 Nordhausen
Tel.: 03631/974434

Interview: Stefan Wirner

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