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Oliver Schirg ist Leiter des Online-Newsdesks beim Hamburger Abendblatt.

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„Wir wollen Hamburg ein Gesicht geben“

Das Hamburger Abendblatt schickt neuerdings sogenannte Stadtreporter in die einzelnen Kieze Hamburgs. Ausgerüstet mit Handys und Laptops sollen sie durch die Stadtteile streifen und spannende Geschichten recherchieren. Sie kommen gar nicht mehr in die Redaktion, um die Storys aufzuschreiben, sondern verfassen ihre Artikel am Laptop vor Ort. Über dieses Projekt sprach die drehscheibe mit Oliver Schirg, dem Leiter des Online-Newsdesks beim Hamburger Abendblatt. 

Herr Schirg,was genau ist das Konzept Stadtreporter?

Die Stadtreporter sind Teil der Weiterentwicklung des lokalen und regionalen Angebots der Marke Hamburger Abendblatt. Mit den Stadtreportern wollen wir spannende Themen und Geschichten in den Stadtteilen und Bezirken aufspüren und dadurch den unterschiedlichen Bereichen Hamburgs ein Gesicht geben. So rücken in diesem Jahr die 104 Hamburger Stadtteile stärker in den Fokus auch der Online-Redaktion. Auf abendblatt.de wird es im Laufe des Jahres für jeden der 104 Stadtteile eine spezielle Seite geben. Neben Hintergrundinformationen werden dort aktuelle Beiträge veröffentlicht. Dazu wird jeder Stadtteil von einer Patin oder einem Paten in der Redaktion betreut.

Im Zuge der Weiterentwicklung der lokalen Berichterstattung des Hamburger Abendblatts wurde das Berichterstattungsgebiet auf die sieben Hamburger Stadtbezirke erweitert. Die Texte der Online-Stadtreporter werden auf einzelnen Bezirkschannels veröffentlicht.

Die Stadtreporter streifen durch den Stadtteil und halten die Augen offen. Rechnet sich das auch, wenn Sie mal ein paar Tage nichts Interessantes entdecken? Wie viele Geschichten muss ein Stadtreporter liefern?

Das rechnet sich in jedem Fall, ein Minimum an Geschichten ist deshalb nicht notwendig. Das Prinzip ist ganz einfach: Wenn jeder Pate im Jahr z. B. zehn Geschichten bringt, haben wir über 1.000 Geschichten aus den Hamburger Stadtteilen, die wir sowohl im Print als auch online verwenden können.

Wie viele Stadtreporter sind unterwegs?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt von der aktuellen Lage ab, aber auch davon, wo interessante Geschichten passieren. Wir bemühen uns allerdings darum, das gesamte Stadtgebiet Hamburgs abzudecken, selbst die zu Hamburg gehörende Nordseeinsel Neuwerk. Ein Kollege war in der vergangenen Woche dort und hat - wie er sagt - reichlich Geschichten mitgebracht.

Das Konzept beinhaltet ja auch die Idee, die neue Mobilität zu nutzen. Die Stadtreporter kommen gar nicht mehr in die Redaktion. Wo schreiben sie dann ihre Texte?

Dort, wo sie möchten. Warum sollte man in einer Zeit, wo mobil alles möglich ist, man praktisch an jedem Ort arbeiten und von dort Texte und Fotos versenden kann, sich das nicht auch zunutze machen? Wir nutzen dazu die Möglichkeiten moderner Smartphones und Tablet PCs. Texte und Fotos können da auf einfachem Weg in die Redaktion übertragen und dort verarbeitet werden.

Der Stadtreporter kommt, das Projekt mit den Leserreportern, die mit Laptop bewaffnet im Stadtteil für das Hamburger Abendblatt auf Geschichtensuche waren, läuft aus. Hat Letzteres nicht funktioniert?

Mit der Stadtteilreporter- bzw. Leserreporter-Aktion im Blog-Format haben wir gute Erfahrungen gemacht. Das Projekt war als Testphase von Anfang an auf ein Jahr angelegt. Jetzt entwickeln wir es zum Stadttreporter-Projekt, das ganz Hamburg umfassen wird, weiter.

Ziel des Projekts mit den Leserreportern war es, die lokale und sublokale Berichterstattung auf abendblatt.de auszubauen und dabei unter anderem durch die Einbindung interessierter Stadtteilblogger zugleich einen neuen Ansatz zu wählen. Am Ende des vergangenen Jahres konnten wir feststellen, dass das Projekt erfolgreich war, sowohl mit Blick auf Visits als auch hinsichtlich der sehr positiven Reaktionen unserer Leserinnen und Leser. Auf Grund der sublokalen Berichterstattung ist es uns gelungen, Leserinnen und Leser regelmäßig auf die Stadtteilseiten zu holen. Zudem waren die Berichte auf den Stadtteilreporterseiten mehr als einmal Ausgangspunkt für eine Berichterstattung im Blatt.


Interview: Stefan Wirner

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Kommentare

Kommentar von Die Red. | 23.02.2012

Die Redaktion hat Antwort vom Hamburger Abendblatt erhalten. Die Stadtteilpaten sind demnach nicht ausschließlich in den Bezirken unterwegs, sondern arbeiten auch in der Redaktion.

Kommentar von Die Red. | 23.02.2012

Um Ihre Frage korrekt zu beantworten, haben wir noch einmal beim Hamburger Abendblatt nachgefragt. Wir melden uns, sobald wir eine genaue Antwort erhalten haben und bitten um etwas Geduld.

Kommentar von Peter | 22.02.2012

So ganz hab ich das Prinzip mit den Stadtteilreportern nicht verstanden. Sie schreiben: "Wenn jeder Pate im Jahr zehn Geschichten einbringt..." Von zehn Geschichten im Jahr kann man nicht leben, was machen die Paten in der Zwischenzeit? Doch normale Redaktionsarbeit? Oder sind das keine Journalisten sondern Bürgerreporter? Aufklärung wäre schön - herzlichen Dank.

Peter