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Das Internetportal hartplatzhelden.de darf auch zukünftig Videoaufnahmen von Amateurfußballspielen im Internet veröffentlichen. Die drehscheibe sprach mit dem Gründer der Plattform, Oliver Fritsch.

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"Es ist möglich, dass wir Verlage als Partner finden"

Oliver Fritsch ist Sportjournalist und Gründer der Plattform Hartplatzhelden.

 

Herr Fritsch, worin besteht der Kern des Urteils zu den Hartplatzhelden?

Es besagt, dass die Fußballverbände keine Exklusivrechte an Bildaufnahmen von Amateurfußballspielen haben. Die Videos sind schlicht und einfach nicht verboten.

Was bedeutet die Entscheidung für Zeitungsverlage, die Videos von Amateurfußballspielen veröffentlichen wollen?

Es gab ja bereits Verlage, die mit den Verbänden Vereinbarungen getroffen hatten und für die Verwendung von solchen Videos auf ihren Internetseiten bezahlten. Nun können die Verlage das auch tun, ohne zu bezahlen. Mit dem Geld können sie Mitarbeiter honorieren.

Erwächst den Hartplatzhelden dadurch eine Konkurrenz?

Ja, aber es ist auch möglich, dass wir Verlage als Partner finden. Durch das Interesse der Medien nach der Gerichtsentscheidung sind wir mit vielen Redaktionen ins Gespräch gekommen. Manche haben gesagt: „Lasst uns doch etwas zusammen machen.“ Darüber sprechen wir. Es kann ja durchaus Modelle geben, von denen beide profitieren.

Um welche Verlage oder Redaktionen handelt es sich?

Dazu kann ich konkret noch nichts sagen.

Was für ein Potenzial steckt denn in dieser Art Berichterstattung? Wie sehen zum Beispiel Ihre Klickzahlen aus?

Das hält sich durchaus im Rahmen. Wir haben durch den Prozess etwas Aufwind bekommen, so dass wir schon einmal eine Million Visits im Monat erreichen können. Es ist natürlich eine Nische, für Lokalzeitungen aber auch eine Möglichkeit, User an sich zu binden.

Wie viele Videos veröffentlichen Sie denn nach einem Fußballwochenende?

Rund 30 Stück.

Ist Ihr Portal eine Art Youtube für Amateurfußball?

So kann man das Modell vielleicht am besten beschreiben. Wobei wir weit mehr bieten als nur die technische Hülle. Wir verstehen uns als Redaktion. Wir pflegen die Videos. Wir schauen sie an, kommentieren sie, lassen sie von einer Jury bewerten, und wir verbreiten sie über Twitter und Facebook. Wenn es mehr wird, müssen wir darüber nachdenken, Mitarbeiter einzustellen. Was ja schön wäre.

Ist auch eine Erweiterung auf andere Sportarten denkbar, etwa eine Berichterstattung über lokale Leichtathletikveranstaltungen etc.?

Das Urteil ist durchaus übertragbar auf andere Sportarten. Es ist ja kaum vorstellbar, dass nun etwa der Handballverband sagen kann, bei uns gibt es das nichts. Aber ich glaube, so einen Widerstand wird es aus anderen Sportverbänden nicht geben. Das war eine fußballspezifische Angelegenheit, dass die Verbände dachten, sie hätten ein Exklusivrecht. In anderen Sportarten ist man eher froh, wenn es ein bisschen Aufmerksamkeit gibt.

Interview: Stefan Wirner

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