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Mehmet Ata ist Volontär beim Kölner Express.

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„Gut integrierte Deutsch-Türken gehören zur Normalität“

Mehmet Ata und Ayhan Demirci vom Kölner Express haben den Kölner Medienpreis 2012 gewonnen. Mit ihrer Serie „Wenn die Fremde zur Heimat wird – 50 Jahre türkische Gastarbeiter in Köln“ landeten sie auf dem 1. Platz in der Kategorie „Print“. „Die Jury war beeindruckt, wie lebhaft und zutreffend, nachvollziehbar und kenntnisreich die Autoren innerhalb ihres Genres gearbeitet haben“, hieß es in der Begründung zur Preisverleihung. Die drehscheibe sprach mit Mehmet Ata über die Hintergründe der Serie.

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Herr Ata, Ihnen und Herrn Demirci herzlichen Glückwunsch zum Kölner Medienpreis. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Serie über die Geschichte der türkischen „Gastarbeiter“ zu konzipieren?


Das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei jährte sich 2011 zum fünfzigsten Mal. Wir wollten im Express darüber berichten, weil Köln für die türkische Zuwanderung von Beginn an ein zentraler Ort war. Viele fanden hier bei Ford Arbeit. Zudem entstanden in der Stadt auch viele der ersten türkische Vereine und Organisationen. Hinzu kommt, dass der Express viele türkischstämmige Leser hat, für die das Thema entsprechend interessant war.

Serien, die sich mit Migration beschäftigen, sind auch im Lokalen keine Seltenheit. Was macht Ihre besonders? Was genau war Ihre Intention?

Unser Ausgangsinteresse lag wegen des Jubiläums auf den türkischen Gastarbeitern, also der ersten türkischen Zuwanderergeneration. Im weiteren Verlauf der Serie verlagerte sich der Blick aber auch auf die jüngeren Generationen, beispielsweise auf Prominente und Unternehmer. Wir wollten über die Zuwanderer aus der Türkei schreiben und die Lebensgeschichten von Deutsch-Türken erzählen.

Wie haben Sie die Serie koordiniert?

Ayhan Demirci ist stellvertretender Ressortleiter der Lokalredaktion Köln und hatte schon länger die Idee zu einer Serie über türkische Zuwanderer. Ich war als Volontär glücklicherweise gerade in der Lokalredaktion tätig und schlug vor, eine Serie zum 50-jährigen Jubiläum des Abkommens zu schreiben. Wir haben die Serie gemeinsam in zwei bis drei Wochen erstellt. Die Kontakte zu den Gesprächspartnern ergaben sich während der Recherche. Der Großteil der Porträts stammt von mir, Herr Demirci hat spannende Geschichten drum herum geschrieben. Aber wir haben teilweise auch Artikel zusammen verfasst.

Die in der Serie Porträtierten waren zumeist gut integriert. War das Zufall?

Das Jubiläum erschien uns als Anlass für eine negative Berichterstattung einfach ungeeignet. In den Medien wird ja ohnehin überwiegend negativ über Zuwanderer berichtet. Wir wollten zeigen, dass auch gut integrierte Deutsch-Türken zur Normalität in Deutschland gehören. Wir haben beispielsweise mit einer türkischstämmigen Lehrerin und zwei Bundeswehrsoldaten mit türkischen Eltern gesprochen. Es ging uns weniger um die ganz großen Erfolgsgeschichten. Der normale Alltag war uns wichtig.

Die Bezeichnung „Gastarbeiter“ gilt als problematisch. Warum haben Sie trotzdem diesen Begriff gewählt?

Damit wollten wir uns explizit auf die Türken beziehen, die vor 50 Jahren nach Deutschland kamen. Sie waren ja zunächst Gastarbeiter, sollten also nur kurzzeitig hier bleiben. Letztendlich blieben viele dann für immer, was die deutsche Gesellschaft nachhaltig veränderte. Die jüngeren Generationen haben wir natürlich nicht als Gastarbeiter bezeichnet, das wäre absurd gewesen.

Sie haben beide einen Migrationshintergrund, und sicherlich gab es Berührungspunkte mit der eigenen Biografie. Wie sehr hat dies die Arbeit an der Serie beeinflusst?

Als Kind von Migranten macht man natürlich bestimmte Erfahrungen. Deswegen hatten wir einen anderen Blick auf das Thema. Zum Beispiel kennt man das Gefühl, dass man einerseits dazugehört, aber andererseits auch nicht. Das habe ich auch in den Gesprächen mit den Porträtierten immer wieder gehört. Interessanterweise habe ich jedoch erst durch die Arbeit an der Serie mit meinen Großeltern über ihre Einwanderung nach Deutschland gesprochen, vorher wusste ich darüber sehr wenig.

 

Interview: Max Wiegand

 

Hier kann man sich ein PDF der Serie herunterladen: Zum Express

 


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Kommentare

Kommentar von Carla Mantel | 07.10.2012

Interessantes Interview wegen klug gestellter Fragen. Vielen Dank!