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Harald Hinze ist Leiter der Online-Redaktion der Syker Kreiszeitung.

Harald Hinze, Syker Kreiszeitung

„Eine neue Perspektive im Lokalen"

Dabeisein ist alles: Die Onlineredaktion der Syker Kreiszeitung hat eine Mini-Kamera angeschafft, die auf einen Helm geschnallt werden kann und dann die Bewegungen und die Umgebung des Trägers aufzeichnet. Die drehscheibe spricht mit dem Leiter der Online-Redaktion, Harald Hinze, über die Erfahrungen mit dem Gerät.

 

Herr Hinze, Sie haben für die Online-Redaktion eine Mini-Kamera gekauft. Was haben Sie sich von der Investition versprochen?

Eine neue Perspektive. Man kann die kleine Kamera an einem Helm, an einem Fahrradlenker oder was einem sonst einfällt befestigen. So bekommt man Bilder, die eine herkömmliche Kamera nicht liefern kann. Ich habe in diversen Sportvideos den Einsatz einer Helmkamera gesehen und dachte, die ungewöhnliche Perspektive können wir auch für unsere lokalen Videos nutzen.

Wo ist die Kamera denn schon zum Einsatz gekommen?

Als erstes haben wir sie auf dem Brokser Heiratsmarkt ausprobiert, das ist ein fünftägiges Volksfest in Bruchhausen-Vilsen. Da haben wir die Kamera an einem Helm befestigt und die Fahrgeschäfte getestet. Ein anderes Mal waren wir auf einer Modellbau-Messe und haben das Gerät auf ein Modellschiff gesetzt. Das Gute an der Kamera ist, dass sie so vielfältig einsetzbar ist.

Wie kann man sich denn so ein Video vorstellen? Ist es für den Zuschauer auf Dauer nicht langweilig, etwa in einem Karussell nur die Landschaft vorbeifliegen zu sehen?

Wir setzen die kleine Kamera nicht alleine ein. Um bei dem Beispiel der Fahrgeschäfte zu bleiben: Eine Mitarbeiterin ist mit dem Karussell gefahren und ein zweites Redaktionsmitglied hat die Fahrt mit einer normalen Kamera von unten gefilmt. Das ist wichtig, damit der Zuschauer versteht, was er gerade sieht. Deshalb reicht die Perspektive der kleinen Kamera alleine nicht aus. Außerdem ist es in der Tat langweilig, minutenlang die gleichen Bewegungen zu sehen. Darum schneiden wir die beiden Perspektiven im Video zusammen und kürzen, wo nötig.

So sieht die Helmkamera der Syker Kreiszeitung aus.

Wie lange dauert es, dass Video zu bearbeiten und hochzuladen?

Das kommt natürlich auf den Umfang des Materials an. Für ein Karussell-Video habe ich etwa eine Stunde zum Bearbeiten des Rohmaterials, Hochladen und Texten gebraucht.

Was ist mit dem Ton? In den Jahrmarktvideos hört man nur Schreie, keinen gesprochenen Text. Kann die Kamera keinen Ton aufnehmen?

Doch, aber bei unserer Kamera ist die Qualität nicht sehr gut. Ein Interview kann man damit nicht führen. Aber das ist nicht so schlimm, denn die Kamera soll den Leser ja miterleben lassen, und für die Hintergrundgeräusche reicht die Qualität. Das Pfeifen des Windes und das Kreischen der Fahrgäste ist sehr authentisch und gewünscht. Gesprochener Text würde in diesem Fall die Wirkung zerstören. Hintergründe und Daten stellen wir in einem Text zum Video. So kann jedes Medium seine Stärke ausspielen. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass Videos mit einem Text besser geklickt werden. 

Stichwort Klickzahlen: Wie kommen die Videos bei den Nutzern an?

Bislang sehr gut. So wurden die Videos vom Heiratsmarkt innerhalb von ein paar Tagen über 5000 Mal angeklickt. Das ist für unsere Region ein guter Wert. Auch gibt es nach wie vor Zuschauer – die Videos wurden über einige Kirmes-Foren verlinkt, von dort kommen bis heute User auf unsere Seite. 

Worauf sollte man beim Kauf so einer Kamera achten und wie teuer ist so ein Gerät?

Es gibt bereits sehr günstige Kameras, aber die haben eine schlechte Bildqualität. Unsere kann Aufnahmen in HD-Qualität liefern und hat zwischen 250 und 350 Euro gekostet. Zu den Kosten der Kamera kommen dann noch die Kosten für die Halterungen – je nachdem, wo man sie befestigen möchte. Dann gibt es noch Zusatzausstattung, unsere hat zum Beispiel ein wasserdichtes Gehäuse, damit wir sie auch im Wasser verwenden können. Wichtig ist beim Kauf aber vor allem, auf die Bildqualität zu achten. Es ist immer ratsam, die Qualität hoch anzusetzen und dann in der Bearbeitung herunterzurechnen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Bilder schlecht sind. 

Haben Sie einen Tipp für Redaktionen, die überlegen, ebenfalls so eine Kamera einzusetzen?

Einfach locker rangehen und ausprobieren. Aber: Das Vorhaben vorher technisch durchdenken, um Pannen auszuschließen.

Interview: Katrin Matthes

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