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Interviews

Falk Zimmermann ist stellvertretender Chefredakteur des Fränkischen Tags.

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„Die Paywall ist nur ein Teil des Gesamtkonzeptes“

Viele Verlage spekulieren mit dem Gedanken, die Mediengruppe Oberfranken hat den Schritt bereits vollzogen: die Einführung einer Paywall. Als infranken.de – die gemeinsame Internetseite von Fränkischer Tag, Bayerische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger – Mitte Oktober relauncht wurde, ging damit die Einführung einer Bezahlschranke für exklusive Inhalte einher. Abonnenten der Printausgaben erhalten einen kostenfreien Zugang, indes allen anderen Nutzern nach einer kostenfreien Testphase verschiedene Abomodelle zur Verfügung stehen. Über das Modell sprach die drehscheibe mit Falk Zimmermann, dem stellvertretenden Chefredakteur des Fränkischen Tags.

Wer weiterlesen will, muss zahlen: infranken.de

Herr Zimmermann, Ihr Verlag führt auf der Seite infranken.de eine Paywall ein. Warum? Was erhoffen Sie sich davon?


Zum einen ist es natürlich eine Argumentationshilfe gegenüber unseren Bestandskunden in Print, indem man signalisiert: Wir geben unsere Inhalte online nicht mehr kostenfrei weiter. Zum anderen machen wir klar, dass unsere Inhalte etwas wert sind. Das geht ja quer durch die Branche, viele andere wollen das im kommenden Jahr auch tun. Viele gucken, wer sich bei dem Thema als erster bewegt. Wir aber haben in der Region eine gewisse Vorreiterrolle. Und wir sind eben so mutig. Mut zu beweisen, das ist ja auch eines unserer Unternehmensziele.

Wie sieht die Umsetzung praktisch aus?


Wir haben uns für eine dreistufige Einführungsphase entschieden. Zunächst haben wir diese Änderung mit dem Relaunch unseres Online-Angebots Mitte Oktober angekündigt und den Lesern mitgeteilt, dass bestimmte Artikel künftig kostenpflichtig werden. Wir haben dann einen Monat später damit angefangen, das Paywall-Modell insofern auszuweiten, dass sich die Leser für die Artikel, die ab dem neuen Jahr bezahlt werden sollen, registrieren müssen. Man kann sich entweder als Abonnent anmelden, da reicht es, die Kundennummer einzugeben und sich einen Benutzernamen auszudenken. Oder man registriert sich eben als Nicht-Abonnent an.

Zahlt der Nicht-Abonnent für jeden einzelnen Artikel?


Wir werden ein mehrgliederiges System haben. Die kleinste Einheit ist ein Tageszugang, der alle Artikel des inFrankenPLUS-Angebots enthält und alle E-Paper-Ausgaben. Wir wollen im Laufe des Jahres Paid-Content-Artikel aber auch durch Veredelung unserer einzelnen Inhalte hervorheben. Das heißt, es kommen gegebenenfalls Dossiers hinzu, Artikelsammlungen, Videos, eine Grafik, ein Audiofile, ein PDF - nicht immer alles, aber immer etwas davon.

Und der User bezahlt über Kreditkarte oder Paypal?


Die Bezahlung des Tagespasses erfolgt aktuell über Paypal und mbe4 - einem Handybezahl-Dienstleister. Kreditkarte folgt im nächsten Jahr. Längere Angebotsformen können per Rechnung oder Lastschrift bezahlt werden.

Ihre Einführung der Paywall fällt zeitlich zusammen mit der Debatte über die Zukunft der Tageszeitung – Stichwort Niedergang der Frankfurter Rundschau, der Financial Times Deutschland etc. Kann die Paywall eine Reaktion auf diese Krisenerscheinungen sein?


Wir planen ihre Einführung schon seit längerem. Diese Krisenerscheinungen sind ja auch nicht neu. Uns ging es vor allem darum, Inhalte, für die wir einen gewissen Aufwand betreiben, nicht mehr gratis zur Verfügung zu stellen. Wir erwarten uns zunächst keine übermäßigen Einnahme-Effekte davon. In erster Linie handelt es sich um Bestandskundenpflege. Zu dem Gesamtkonzept gehören ja auch unsere Apps – eine native App für Android-Geräte und eine Web-App für den Rest, auch angepasst an mobile Geräte. Es gibt bei uns auch Abo-Modelle wie das Premium-Abo, das die Printausgabe, alle Online-Angebote, E-Paper und ein Samsung Galaxy Tablet umfasst und knapp 40 Euro monatlich kostet. Wir bieten zum Beispiel auch ein Onlineabo Plus an – unter der Woche können Sie da E-Paper, am Wochenende die Print-Zeitung lesen, und die Bezahlinhalte sind natürlich inklusive. Hinzu kommt ein Wochenpass, E-Paper only, es gibt also verschiedene Modelle. Die Paywall ist nur ein Teil des Gesamtkonzeptes. Wir haben für jeden das Passende im Angebot.

Befürchten Sie nicht, dass Sie durch die Paywall an Reichweite verlieren könnten, weil sich der User woanders umsieht?


Wir haben das einkalkuliert, dass uns zunächst einmal ein Reichweitenverlust treffen wird. Wir sind in letzter Zeit um einiges gewachsen und lagen unter den Top 50 der deutschen Nachrichtenseiten. Das wollen wir sicherlich halten. Aber wir müssen es langfristig betrachten, über mehrere Monate oder gar ein Jahr hinweg. Ich hoffe, dass wir unser Niveau bis in zwölf Monaten wieder erreicht haben. Wir haben ja auch weiterhin freie Inhalte, es ist ja nicht so, dass alles zahlungspflichtig wird. Es gibt Nachrichten, die ohnehin am Markt sind, wie etwa Polizeiberichte, Ticker-Meldungen, Ereignisse, bei denen auch andere Medien vor Ort sind etc. Die bleiben kostenfrei. Wir wollen auch kein Geld an Unfallberichterstattung verdienen.

Werden vor allem lokale Inhalte bezahlpflichtig?


Die Sprachregelung lautet: Alles das, was Redakteure oder feste freie Mitarbeiter exklusiv erstellen – unique Inhalte, die kein anderer hat.

 

Interview: Stefan Wirner

 

Kontakt:

Falk Zimmermann

Tel.: 0951 – 18 84 98
E-Mail: f.zimmermann@infranken.de

Veröffentlicht am 10. Dezember 2012





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