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Dirk Baranek ist Online-Journalist und Berater von Online-Medien.

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„Instant Publishing bietet große Chancen für Lokaljournalisten“

Auf Konferenzen wird heutzutage gebloggt, getwittert und gefacebooked, was das Zeugs hält. Der Fachbegriff dafür: Instant Publishing. Welche Möglichkeiten der direkten Berichterstattung gibt es heute bereits? Darüber sprach die drehscheibe am Rande der Internetkonferenz Re:publica mit Dirk Baranek. Er ist Online-Journalist und Berater von Online-Medien. Auf der Re:publica  war er mit dem Twitter-Account RE:PUBLICA live vertreten, über den aktuell von den Veranstaltungen berichtet wurde.

Herr Baranek, Sie haben live von der Re:publica berichtet. Was gehörte alles zu Ihrer Berichterstattung?


Wir waren elf Leute und haben inoffiziell die Re:publica verbloggt. Das heißt, wir haben über die Sessions geschrieben und darüber, was am Rande so passierte, was man an Gerüchten hörte, was geleakt wurde etc.. Wir sind auch in die Sessions reingegangen und haben über einen Twitter-Account live berichtet: die wichtigsten Statements der Teilnehmer, in welche Richtung die Diskussion lief, wie die Diskussion angenommen wurde usw. Wir haben das auch auf Facebook gemacht und im Grunde möglichst zeitnah darüber berichtet, was auf der Re:publica lief.

Welche Möglichkeiten bietet Instant Publishing? Was sind die neusten Tools?

Wir hatten unseren Blog auf dem Anbieter posterous.com laufen, wo man das kostenlos machen kann. Es gibt auch andere Anbieter, aber dieser hat den Vorteil, dass man dort auch per E-Mail posten kann. Das heißt, man komponiert einen Artikel auf seinem Smartphone, schreibt eine E-Mail, hängt ein Foto dran, der Betreff der E-Mail wird automatisch zur Headline, und das Foto wird automatisch auf der Plattform verarbeitet. In dem Moment, wenn die Mail dort ankommt, wird sie als Artikel publiziert. Zusätzlich gibt es eine Mechanik, dass dieser Artikel wiederum automatisch auf dem Twitter-Account und auf der Facebook-Seite erscheint. Da wirken also viele Elemente zusammen, sodass man völlig losgelöst von einer technischen Infrastruktur, nur mit UMTS ausgestattet, sofort Artikel publizieren kann.

Also auf allen Kanälen automatisch und gleichzeitig?

Genau.

Wie könnten das Lokaljournalisten nutzen?

Es könnte für sie eine Methode sein, live von wichtigen Veranstaltungen zu berichten. Beispielsweise, wenn Abstimmungen mit Gemeinderat anstehen etc. Der Lokaljournalist könnte die Entscheidungen direkt an die Öffentlichkeit weitergeben. Darin bestehen große Chancen für den Lokaljournalismus. Denn es mag im Lokalen zwar hier und da gute Blogs geben, aber diesen Leute fehlt oft die Professionalität, um den hohen Qualitätsmaßstab, den Lokaljournalisten an sich selbst stellen, zur erfüllen – etwa was Verifikation, Fakten, Wortwahl, objektive Darstellung etc. betrifft . Diese Kriterien spielen für Blogger oftmals keine so große Rolle. Hier besteht eine Chance für Lokaljournalisten, wenn Sie mit diesen Tools des Instant Publishings arbeiten und gleichzeig ihre Qualitätsmaßstäbe beibehalten.

Ist es schwer, sich in den Gebrauch dieser Tools einzuarbeiten?

Ich würde sagen: nein. Natürlich muss man sich mit den Konventionen, die etwa auf Facebook und Twitter herrschen, auskennen. Vom Technischen her ist das alles kinderleicht. Die Absicht der Unternehmen, die so etwas gestalten, ist es ja, den Zugang niederschwellig zu halten. Die Kommunikation an sich ist natürlich webspezifisch, die Antworten, Formulierungen und Abkürzungen, als reiner Printmensch kann man da anfangs vielleicht Schwierigkeiten haben, adäquat zu kommunizieren, aber das legt sich mit der Praxis.

Interview: Stefan Wirner

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