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Daniel Wildfeuer ist Gründer und Geschäftsführer von lokalnews.de.

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„Online-Lokaljournalismus trägt sich noch nicht“

Mitte Februar wurde bekannt, dass die lokaljournalistische Plattform lokalnews.de ihren Dienst einstellt, und das nach wenig mehr als einem Jahr. Lokalnews.de deckte das Geschehen in der Stadt Passau journalistisch ab. Es war des erste deutschsprachige Online-Projekt im Lokaljournalismus, das von einem Verlag, dem Wochenblatt Verlag aus Landshut, finanziert wurde. Über die Hintergründe des Scheiterns sprach die drehscheibe mit Daniel Wildfeuer, dem Gründer und Geschäftsführer von lokalnews.de.  

Ein Klick auf das Bild führt zur Seite lokalnews.de

Herr Wildfeuer, nach etwas über einem Jahr wird lokalnews.de eingestellt. Woran lag es?

Lokalnews.de war ein Testballon, ob man mit seriösem Online-Lokaljournalismus auch ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept entwickeln kann. Das haben wir leider im vergangen Jahr nicht geschafft. Wir haben sehr gute Besucherzahlen, bis zu 35.000 Unique Visitors, erreicht – jedoch zu wenig, um das Ganze effektiv vermarkten zu können.

Ein Jahr lang war lokalnews.de online. Hätten Sie mehr Zeit benötigt?

Die Entscheidung das Experiment lokalnews.de zu beenden ist einstimmig von mir und dem Wochenblatt Verlag gefällt worden. Schlussendlich waren die hohen monatlichen Kosten im Vergleich zu den erreichten Zahlen der Knackpunkt, der zu dieser Entscheidung geführt hat.

Welche Idee steckte hinter dem Projekt?

Mitte 2010 fand ich die Angebote lokaler Medien mehr als verbesserungswürdig. Die Internetseiten waren veraltet, unübersichtlich im Aufbau und nicht anpassungsfähig. Sich über lokale Themen online zu informieren war – sagen wir mal – sehr beschwerlich. Mit lokalnews.de wollte ich das Ganze etwas revolutionieren. Modern, schnell und neuartig über alles berichten, was Passau bewegt. Und  das nicht nur kritisch, sondern auch zeigen, was Passau so schön macht. Die Revolution haben wir sogar geschafft: Die Lokalmedien haben im Internet ordentlich zugelegt.

Wie viele Leute steckten hinter dem Projekt?

Bei lokalnews.de arbeiten derzeit zwei Redakteure in Vollzeit und zwei studentische Aushilfskräfte, die uns redaktionell unterstützen. Ich selbst habe die Technik, Vermarktung, Verwaltung & Co. übernommen.

Welche Rolle spielte der Wochenblatt Verlag?

Der Wochenblatt Verlag gab eine Anschubfinanzierung,  ansonsten konnten wir völlig frei agieren. Es gab weder inhaltlich noch organisatorisch irgendwelche Vorgaben. Für das Wochenblatt war es, wie für mich selbst, ein Experiment mit unbekanntem Ausgang.

Wie sah Ihr Geschäftsmodell aus?

Das Projekt sollte sich über Online-Werbeanzeigen und über ein Franchisemodell finanzieren. Die Akquise war sehr schwer – lokale Firmen und Händler sind, was Onlinewerbung angeht, noch sehr zurückhaltend und misstrauisch.

Welches Resümee ziehen Sie heute?

Lokalnews.de hat gezeigt, dass sich Online-Lokaljournalismus mit diesem hohen Anspruch – sowohl technisch als auch personell – noch nicht trägt. Vielleicht wäre es besser gewesen, von Anfang „kleiner zu denken“ und mehr mit freien Mitarbeitern zu arbeiten. Die Tegernseer Stimme oder auch die Prenzlauer Berg Nachrichten haben mit einer derartigen Struktur gute Erfolge. Für mich steht jetzt erst einmal die Abwicklung von lokalnews.de am Plan. Besonders, dass meine beiden Mitarbeiterinnen, die in den letzten Monaten mit sehr viel Herzblut lokalnews.de aufgebaut haben, gut bei einem anderen Verlag oder einer Zeitung unterkommen, liegt mir am Herzen. Ich selbst werde voraussichtlich wieder zurück in die Internetentwicklung und Beratung gehen. Ich besitze noch eine Beteiligung an einer Internetagentur, in die ich einsteigen könnte.


Interview: Sascha Lübbe

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