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Zum WM-Auftakt erschien die Oberhessische Presse in Marburg als Duft-Ausgabe. Um die Leser mit allen Sinnen auf die WM in Südafrika einzustimmen, rochen die Titelseite und die Sport-Bucheröffnungsseite nach Gras. Der Duft, der sich durch Rubbeln am Papier verstärken ließ, sollte signalisieren, dass es endlich losgeht. Die drehscheibe sprach mit dem Chefredakteur Christoph Linne über die duftende WM-Ausgabe.

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"Der Farbe Gelb wird einfach ein Duftstoff beigefügt"

Christoph Linne ist Chefredakteur der Oberhessischen Presse.

 

Herr Linne, eine Zeitungsausgabe, die teilweise nach Gras duftet – wie funktioniert das?

Eigentlich ganz einfach. Der Farbe Gelb wird ein Duftstoff beigefügt, und mit dieser Mischung wurden dann der Titel und die Sport 1 gedruckt. Damit der Effekt funktioniert, muss allerdings viel Duftfarbe auf der Seite verwendet werden. Wir haben deshalb ein Spielfeld über die komplette Sport 1 gedruckt, da in Grün der Gelbanteil besonders hoch ist. Für die erste Seite haben wir den Zeitungstitel in grün gestaltet – so hatten wir auch noch einen visuellen Effekt. Damit der Duft dort funktioniert, müssen die Leser über das Grün rubbeln. Die Sport 1 riecht durch die große Grünfläche auch von allein, rubbeln verstärkt den Effekt. Darauf haben wir auf der Seite hingewiesen.

Das klingt nach einem hohen finanziellen Aufwand.  Was hat Sie die Produktion gekostet?

Das war überraschend preiswert. Die Ausgabe wurde für die Oberhessische Presse sowie die Waldeckische Landeszeitung und Frankenberger Zeitung, die ebenfalls bei uns gedruckt werden, produziert.  Insgesamt hat der Mehrpreis 360 Euro betragen. Ein geringer Preis für einen tollen Effekt.

Was haben die Leser dazu gesagt?

Unsere Redakteure sind bei Terminen oft darauf angesprochen worden – und haben durchweg ein positives Echo erhalten. Die meisten Leser waren neugierig und wollten wissen, wie das technisch funktioniert.

Es ist ja auch eine ungewöhnlich Idee. Wie sind Sie darauf gekommen?

In einigen Fachmagazinen wird ab und zu mit Duftfarbe experimentiert, zum Beispiel mit Zimt oder Orange. Da haben wir uns gefragt, ob das für Offsetdruck auch geht. Die Idee schlummerte also schon länger in unseren Köpfen und wartete auf eine passende Gelegenheit. Als wir nun auf den Grasgeruch gestoßen sind, da war uns natürlich sofort klar: Das passt prima zum WM-Auftakt.

Wie wird die Zeitung riechen, wenn Deutschland ins Finale kommt?

Mal schauen, ob wir die Aktion wiederholen. Ein passender Fußballgeruch wäre natürlich Schweiß. Aber das wollen wir niemanden antun.

 

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Interview: Katrin Matthes

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