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Angela Clausen arbeitet als Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

tl_files/drehscheibe/Themen/Interviews/Clausen_Angela_Pressefoto.jpgBild: VZ NRW

„Früher gab es täglich eine Anfrage, heute sind es fünf“

Pferdefleisch, Dioxin, Betrug mit Bio-Eiern – regelmäßig bestimmen Lebensmittelskandale die Schlagzeilen. Wie aber lässt sich im Lokalen über das Thema Lebensmittelsicherheit berichten? Wie kommen Journalisten an fundierte Informationen? Die drehscheibe sprach darüber mit der Ernährungswissenschaftlerin Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Frau Clausen, was bewegt die Verbraucher beim Thema Ernährung, mit welchen Anliegen werden Sie konfrontiert?

Mit allem Möglichen. Sehr häufig kommen Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln: Sind die Produkte sicher? Darf ich die nehmen? Viele rufen auch an, weil sie sich getäuscht fühlen, oft werden zum Beispiel Werbeaussagen hinterfragt. Wir haben auch viele Anfragen zur Lebensmittelsicherheit und zur Produktrückgabe.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit Journalisten aus?

In erster Linie geben wir Presseinformationen heraus und stehen für Interviews oder kurze Statements zur Verfügung, beispielsweise mit Hinweisen für Verbraucher. Wir stellen auch Dokumente zur Verfügung, geben Recherchetipps und helfen dabei, ein Thema richtig einzuordnen. Wenn etwa ein Journalist mit einer Frage kommt und nicht weiß, an wen er sich wenden soll, können wir behilflich sein. In den Verbraucherzentralen arbeiten auch im Ernährungsbereich Fachleute – Ernährungswissenschaftler, Agrarwissenschaftler und Lebensmittelchemiker – und wir haben nicht nur intensiven Kontakt zu den Verbrauchern sondern auch direkten Kontakt zu den Ministerien und Instituten. Wir fragen natürlich auch direkt bei den Herstellern nach – zur Not auch mit entsprechendem öffentlichen oder juristischen Druck. Und wir können potentielle Gesprächspartner nennen, wenn es ins Detail geht.

An welche Stellen verweisen Sie dann?

Es kommt sehr darauf an, um welche Fälle es sich handelt. Da gibt es zum Beispiel die Lebensmittelüberwachung, die vor Ort kontrolliert und auch Proben zieht. Je nach Fragestellung kann es auch sinnvoll sein, sich direkt an die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter zu wenden. Dazu kommen viele weitere Bundes- und Landesämter sowie die Verbraucherschutzministerien, die dann Auskunft geben und etwa bei Fragen der Risikobewertung oder Abgrenzungsproblemen weiterhelfen können. (siehe Liste unten)

Geben Sie auch konkrete Tipps zur lokalen Umsetzung?

Wir geben Pressemeldungen heraus, sogenannte Pressetipps, die von unseren Beratungsstellen direkt an die lokalen Medien gegeben werden. Darin informieren wir zum Beispiel über aktuelle Marktchecks und Verbraucherwarnungen und geben Einkaufshilfen. Es ist sinnvoll, wenn sich daran gute Recherchen anschließen, so dass ein Thema auf die lokale Ebene bezogen und mit weiteren Informationen ergänzt wird.

Wie beurteilen Sie die Berichterstattung zu den Lebensmittelskandalen der letzten Jahre?

Die Medien berichten generell häufiger über das Thema Ernährung als früher, nicht nur bei Skandalen. Vor zehn Jahren hatten wir täglich vielleicht eine Presseanfrage, heute sind es mindestens fünf pro Tag. Es ist auch gut, dass die Vorfälle öffentlich thematisiert werden, nur dort wo kontrolliert und Öffentlichkeit geschaffen wird, kann etwas bewirkt werden. Aber es wird zu viel skandalisiert, und das führt nicht zu besserer Aufklärung, sondern zur Abstumpfung der Verbraucher. Ich höre oft: ‘Schon wieder ein Skandal. Wenn ich das alles ernst nehmen würde, dürfte ich ja gar nichts mehr essen.‘

 

Interview: Martin Meier

Kontakt:

Angela Clausen

E-Mail: ernaehrung@vz-nrw.de

Tel.: 0211 – 380 91 21

www.vz-nrw.de

 

Liste mit relevanten Anlaufstellen für Journalisten zum Thema Lebensmittelsicherheit

Auf Bundesebene:

Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte: www.befarm.de
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: www.bvl.bund.de
Bundesinstitut für Risikobewertung: www.bfr.bund.de
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: www.bmelv.de
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: www.bmu.de
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: www.dge.de
Foodwatch e.V.: www.foodwatch.de
Max Rubner-Institut: www.mri.bund.de
Umweltbundesamt: www.umweltbundesamt.de
Verband der Ernährungswirtschaft e.V.: www.vdew-online.de
Verband der Landwirtschaftskammern: www.landwirtschaftskammern.de
Verbraucherzentrale (Bundesverband): www.vzbv.de

Auf Länderebene:

Verbraucherzentralen der Länder: www.verbraucherzentrale.de
Landesämter für Natur und Umweltschutz
Landesämter für Verbraucherschutz

Auf Kommunalebene:

Chemische und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA)
Lebensmittelüberwachungsbehörden
Stabsstellen für Umwelt- und Verbraucherkriminalität

 

Veröffentlicht am 25. Februar 2013


 

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