drehscheibe.org > Themen > Interviews > Interview mit Alexander Kratzer

Interviews

Während die großen überregionalen Nachrichtenwebseiten im August weniger Visits verzeichneten als im Vorgängermonat, legten die Seiten der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten um 14,4 Prozent zu. Mit mehr als 3,5 Millionen Besuchen erreichten die Stuttgarter einen neuen Besucherrekord, wie der Mediendienst Meedia aufgrund der IVW-Daten feststellte. Der Grund für den großen Andrang dürften die Proteste gegen das Bahnprojekt „Stuttgart21“ sein. Die drehscheibe sprach mit dem Geschäftsführer der Stuttgart Internet Regional GmbH, Alexander Kratzer, über die Gründe für den Besucheransturm und die Berichterstattung zu „Stuttgart21“.

tl_files/drehscheibe/Themen/Interviews/Alexander Kratzer.jpg

"Stuttgart21 massiv begleiten"

Alexander Kratzer ist Geschäftsführer der Stuttgart Internet Regional GmbH. Diese bereitet den redaktionellen Teil der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten für deren Internetportale auf.

 

Herr Kratzer, die Webseiten der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten erreichten im August mit rund 3,5 Millionen Visits eine neue Bestmarke. War das der Diskussion um Stuttgart21 geschuldet?
Zum großen Teil ja. Ohne konkret mit Zahlen dienen zu können, würde ich schätzen, dass 80 Prozent der Visits auf unsere Berichterstattung und Diskussionen zu Stuttgart zurückzuführen sind. Darüber hinaus hat natürlich auch der Start der Fußballsaisons seinen Beitrag geleistet.



Ist es außergewöhnlich, dass ein lokalpolitisches Thema für solche Besucherzahlen auf Ihren Websites sorgt?
Unsere Kernkompetenz ist sowohl, was die gedruckte Zeitung angeht, als auch auf den Websites, das Lokale. Insofern sind es eigentlich fast immer lokale Themen, die für Traffic-Peaks, also Spitzenwerte bei den Besuchen, sorgen. Allerdings hatten wir bisher kein Thema, dass so eine Resonanz erzielte, wie Stuttgart21. Das kommt aber auch dadurch, dass dieses Thema auch bei den überregionalen Medien stark vertreten ist. Das sorgt für Streueffekte, die sich bei unseren Besucherzahlen bemerkbar machen.



Das heißt, Sie haben viele Besucher von außerhalb auf Ihren Seiten?
Die haben wir auch, aber der Großteil der Besucher kommt aus der Region Stuttgart. Das ist unser Stammpublikum.


 
Was suchen die Leute zu dem Thema Stuttgart21 auf Ihren Seiten? Information? Diskussion? Partizipation?
Es gibt zu Stuttgart21 – nicht nur online – ein enormes Leserfeedback. Das hat mit unserem Selbstverständnis zu tun, mit dem wir dieses Thema massiv begleiten. Wir stellen ausführlich alle Positionen dar und lassen Befürworter und Gegner gleichermaßen zu Wort kommen. Außerdem stellen wir uns auch den Diskussionen, wo wir als Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten zu diesem Thema stehen. In den Foren und Kommentaren ist besonders viel diskutiert worden, ob wir dafür oder dagegen seien. Es gab online keinen Beitrag zu Stuttgart21 bei uns, der nicht 60 oder 70 Kommentare hatte. Die Leute suchen und finden bei uns einfach eine neutralere Plattform, um zu diskutieren, als auf den Seiten der Befürworter und Gegner. Und dieses Angebot wird viel genutzt.

 

Abgesehen von Stuttgart21, was klicken die Besucher Ihrer Seiten ansonsten am liebsten?
Online geht vor allem der Fußball, aber auch die klassischen Lokalgeschichten und Blaulicht stehen im Vordergrund. Wir verzeichnen in letzter Zeit überhaupt einen deutlichen Anstieg bei lokalen und regionalen Themen. Außerdem hat sich gezeigt, dass die Homepage immer weniger als Einfallstor dient, sondern die Besucher quer in den Dienst einsteigen und beispielsweise über Links in den sozialen Netzwerken direkt in die Ressorts kommen. Daran sieht man, dass unser Engagement in den Social Networks wie Facebook wirklich etwas bringt.

 

Interview: Jan Steeger

trenner

Kommentare