drehscheibe.org > Das Heft > Internetwerkstatt > Internetwerkstatt: Zukunft im Retrolook

Nummer 8/2014

Zukunft im Retrolook

 

Mit der Foto-App Instagram lassen sich Leser direkt ansprechen und Inhalte miteinander teilen. Vor allem junge Leute könnten über Mitmach-Aktionen erreicht werden.

Steffen Büffel berät Verlage und Redaktionen in den Bereichen Workflow, Crossmedia, Social Media und Online-Strategien


E-MAIL:

steffen.bueffel@media-ocean.de

INTERNET:

www.media-ocean.de

 

 

Was kommt nach dem Facebook-Hype? Diese Frage wird in der Medienbranche inzwischen häufig gestellt. Wenngleich darauf keine verlässliche Antwort gegeben werden kann, positionieren sich in der zweiten Reihe hinter den großen Netzwerken Facebook, Twitter usw. Plattformen, die zumindest auf eine mögliche Entwicklung hindeuten. Neben Messenger-Diensten wie WhatsApp gehört vor allem Instagram dazu.

Was ist Instagram? 
Es handelt sich einerseits um eine Anwendung für Smartphones, die es gestattet, Fotos aufzunehmen und sie mit vorgefertigten Filtern zu verfremden. Instagram-Aufnahmen erinnern oft an alte vergilbte Polaroidfotos. Andererseits ist Instagram auch ein soziales Netzwerk, auf dem die Fotos geteilt und kommentiert werden können. Im Jahr 2012 hat Facebook die mobile App gekauft. Preis: 760 Millionen Euro.

Wie relevant ist Instagram?
Im März verkündete das Unternehmen, dass inzwischen 200 Millionen Menschen den Dienst nützten und seit dem Start über 20 Milliarden Fotos veröffentlicht worden seien. In Deutschland wird die Zahl der Instagramer auf drei Millionen geschätzt. Im Vergleich zu den 26 Millionen deutschen Facebook-Nutzern klingt das wenig, aber zum einen wächst Instagram seit dem Kauf durch Facebook beständig, zum anderen macht die Zusammensetzung der Nutzerschaft die App für Werbetreibende und Medienhäuser immer attraktiver. Denn Instagram nutzen vor allem Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren. Im Gegensatz zu Facebook gibt es kein Mindestalter, sodass auch Teenager auf Instagram zu finden sind.

Welche Inhalte finden sich auf Instagram?
Neben den berüchtigten Selfies, bei denen sich User mithilfe ihres Smartphones selbst fotografieren, finden sich auf Instagram alle erdenklichen Motive aus Alltagssituationen: Schnappschüsse aus dem Urlaub, Menschen, Blumen, Tiere, Essen – es gibt kaum einen Lebensbereich, zu dem es keine Fotos gibt. Mithilfe von Bildbeschreibungen und durch die Verwendung von Hashtags lassen sich auf Instagram Motive finden und aus Millionen von Fotos herausfiltern. Kritik wurde an zwei Stellen laut: Nach dem Kauf durch Facebook wurden die AGB gelockert, sodass der Datenaustausch zwischen Instagram und Facebook erleichtert wurde und die Firma sich umfassende Verwertungsrechte an den Fotos, die auf Instagram hochgeladen werden, einräumte. Ein Problem, über das sich Redaktionen im Klaren sein müssen.

Wie nutzen Redaktionen Instagram?
Noch sind nicht viele deutsche Zeitungen auf Instagram vertreten. Von den Überregionalen finden sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Bild und die Magazine der Süddeutschen Zeitung und der Zeit auf Instagram. An regionalen Tageszeitungen sind etwa die Rhein-Zeitung und die Hessische/Niedersächsische Allgemeine vertreten. Das Tool wird dabei sehr unterschiedlich genutzt. Während die FAZ lediglich die Motive ihrer Werbekampagne veröffentlicht, finden sich bei der Bild Fotos von den Nachrichten des Tages und Schlagzeilen. Die HNA postet Stimmungsmotive aus dem Verbreitungsgebiet, die Rhein-Zeitung verweist in ihrem Profil auf eine eigene Projektseite namens „Rheinstagram“, auf der Fotos von Lesern präsentiert werden. Zwar ist die Seite derzeit offline, aber die Idee dahinter zeigt auf, welche Möglichkeiten Instagram bietet.

„Instagram meets Print”
Unter dem Motto „Instagram meets Print“ lud die Rhein-Zeitung im Juli des vergangenen Jahres 16 Handy-Fotografen zu sich ins Druckhaus ein. Sie sollten in Fotos den persönlichen Blickwinkel während einer Besucherführung festhalten und auf Instagram veröffentlichen – versehen mit dem Hashtag #igersrz (kurz zur Erklärung: „igers“ ist auf Instagram die Abkürzung für „Instagramer“, die Ergänzung „rz“ bezieht sich in diesem Fall als Kürzel auf die Rhein-Zeitung). Dieser diente anschließend als Filterkriterium, um die Fotos der beteiligten Fotografen auf Rheinstagram zu präsentieren. Das Beispiel zeigt, dass sich via Instagram gut gemeinsam Inhalte zu einem Thema sammeln lassen. Der Zugriff auf die Instagram-Daten wurde mithilfe der von Instagram bereitgestellten Programmierschnittstelle (API) umgesetzt. Zwar benötigt man dazu einen Webentwickler, der sich mit der Schnittstelle auseinandersetzt, um diese auf einer eigenen Website auszuspielen. Ist diese Grundlage aber erst einmal gelegt, lassen sich viele Ideen umsetzen. Und das nicht nur mit Fotos, sondern inzwischen auch in Form von Kurzvideos. Denn ähnlich wie bei der Video-App Vine vom Konkurrenten Twitter lassen sich mit Instagram Bewegtbilder mit einer maximalen Länge von 15 Sekunden veröffentlichen.

Fazit
Instagram sollte man im Auge behalten. Nicht nur, weil sich dort eine junge Zielgruppe tummelt, sondern auch, weil sich durch die Nutzung der API interessante Mitmach-Aktionen zwischen Redaktion und Usern veranstalten lassen.

Kommentar