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Nummer 2/2013

Wie Facebook filtert

 

Die permanenten Änderungen der Facebook-Einstellungen wirken sich auf die Sichtbarkeit von Postings aus. Tipps, wie sich die Reichweite von Beiträgen optimieren lässt.

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Steffen Büffel berät Verlage und Redaktionen in den Bereichen Workflow, Crossmedia, Social Media und Online-Strategien


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Facebook-Nutzer haben im Schnitt 130 Kontakte und sind mit 80 Facebook-Seiten oder Gruppen verbunden. Da kommt einiges an Text-, Bild- und Video-Inhalten pro Tag zusammen, die um die Aufmerksamkeit in den Neuigkeiten der Facebook-Profile der Nutzer konkurrieren. Um diese Informationsflut zu reduzieren und eine möglichst hohe Relevanz für den einzelnen Nutzer zu gewährleisten, arbeitet Facebook mit dem sogenannten Edgerank.

Dabei handelt es sich um einen Algorithmus, der für jeden Nutzer individuell und automatisch berechnet, welche Beiträge der eigenen Kontakte, Fan-Seiten und Gruppen in den Hauptmeldungen des Nutzers erscheinen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Nicht jedes Posting einer Facebook-Seite oder eines Kontaktes ergattert einen Platz in den Hauptmeldungen. Der Edgerank fungiert hier also als Filter. Welche Kriterien Facebook wie gewichtet, um die Relevanz zu berechnen, ist ein wohl gehütetes Geheimnis. Bekannt ist aber, dass drei Variablen in die Berechnung einfließen, nämlich: Affinität, Gewichtung und Aktualität.

Affinitätswert 

Dieser wird auf Basis der bisherigen Interaktionen eines Nutzers mit dem Urheber – also entweder anderen Nutzern oder Fan-Seiten – ermittelt.

Gewichtung eines Beitrags 

Diese wird anhand des Inhaltetyps und der Art und Menge von Interaktionen ermittelt. Beim Inhaltetyp wird überprüft, ob der Beitrag nur aus Text besteht oder ob auch ein Foto oder Video
mit eingebunden wurde. Außerdem wird berücksichtigt, wie viele Kommentare bereits vorliegen, wie oft der Beitrag mit anderen geteilt und wie häufig „Gefällt mir“ geklickt wurde.

Aktualität 

Sie wird ebenfalls dynamisch berechnet. Je älter ein Beitrag ist, umso mehr verliert er in der Berechnung des Edgeranks an Bedeutung. Das heißt: Auch wenn ein Beitrag im Laufe der Zeit neue Kommentare oder „Gefällt mir“-Angaben bekommt, wird er in Abhängigkeit davon, wie lange er bereits online ist, anders gewichtet.

Im Grunde sind diese Edgerank-Variablen vergleichbar mit journalistischen Relevanzkriterien. Allerdings setzt Facebook hier eine ganz eigene Logik an und berücksichtigt die Besonderheiten sozialer Netzwerke, bei denen die Nutzer und deren Aktivitäten und weniger der eigentliche Inhalt alleinig im Zentrum stehen. Das Ganze voll automatisiert und dynamisch.

Tipps 

Für Redaktionen lassen sich aus alledem Tipps für das Betreiben der eigenen Facebook-Seite ableiten:

1. Beitragslänge 

In der Kürze liegt die Würze. Die Textlänge eines Facebook-Postings sollte weniger als vier Zeilen betragen. Eine Zeichenzahl von 180 ist ein guter Richtwert. Kurze Texte erhöhen die Interaktionsbereitschaft bei den Nutzern.

2. Multimedia: Aussagekraft durch Visuelles

Auch für soziale Netzwerke gilt: Die Bleiwüste ist out. Facebook-Nutzer scannen ihre Neuigkeiten nach visuellen Reizen. Insofern sollten Beiträge mit Fotos oder Videos angereichert werden.

3. Userbeteiligung: Mitmach-Kommunikation

Einfache Aufrufe an die Fans der Facebook-Seite, ihren Kommentar zu hinterlassen oder einen Beitrag mit „Gefällt mir“ zu markieren, werden gerne vergessen, sind aber sehr effektive Mittel, um hinsichtlich der Gewichtung eines Beitrags Pluspunkte zu sammeln.

4. Interaktion: Mittendrin statt nur dabei

Facebook-Nutzer schätzen es, wenn sich die Redaktion in den Kommentaren zu einem Beitrag mit einbringt und in Dialog tritt. Wichtig hier: Zeitnah reagieren!

5. Sponsored Posts

Beiträge bei Fans und deren Freunden hervorheben. Facebook hat bei seinen Werbemitteln für Seitenbetreiber vor geraumer Zeit die sogenannten Sponsored Posts eingeführt. Damit lassen sich einzelne Beiträge, die nicht älter als drei Tage sind, gegen Geld in den Hauptmeldungen von Fans und auf Wunsch auch bei den Freunden dieser Fans hervorheben. Während die vorgenannten Tipps für organisches Wachstum sorgen, handelt es sich hier um bezahlte Reichweite.

Fazit 

Hintergrundwissen zum Edgerank kann sehr nützlich sein, um mehr Reichweite und mehr Nutzerbindung aus der eigenen Facebook-Seite herauszuholen. Mit der Tatsache, dass Facebook die Berechnungsformel für den Algorithmus

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