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Nummer 02/2015

Twitter verändert sich

 

Der Social-Media-Dienst wartet im Jahr 2015 mit einigen Neuerungen auf. Die drehscheibe stellt die wichtigsten davon vor.

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Steffen Büffel berät Verlage und Redaktionen in den Bereichen Workflow, Crossmedia, Social Media und Online- Strategien.


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Eigene Videofunktion
Der Stellenwert von Videos ist in allen großen sozialen Netzwerken in den vergangenen Monaten stark gewachsen. YouTube sieht sich mit zunehmender Konkurrenz durch Facebook-Videos und Videofunktionen bei Bilderdiensten wie zum Beispiel Instagram oder Pinterest konfrontiert. Twitter bietet zwar mit der App Vine eine eigene Video-Applikation an, die das Teilen von Bewegtbildern auf Twitter ermöglicht, eine eigene Videofunktion in der Twitter-App selbst gab es aber bisher nicht. Dies wird sich in den kommenden Wochen ändern. Twitter hat angekündigt, dass künftig Videos in der App erstellt, bearbeitet und via Twitter geteilt werden können. Gerüchten zufolge sollen die Videos auf eine Länge von 20 Sekunden begrenzt sein.

Archivzugriff
Bisher war es mit der Suchfunktion von Twitter nur möglich, in den öffentlichen Tweets der vergangenen sieben Tage zu recherchieren. Twitter hatte den Fokus vor allem darauf gelegt, eine funktionierende Infrastruktur für die Echtzeitsuche zu aktuellen Tweets bereitzustellen. Die erweiterten Suchfunktionen wurden nun vor Kurzem dahingehend erweitert, dass nach sämtlichen öffentlich geteilten Tweets seit dem Start von Twitter im Jahr 2006 gesucht werden kann – für die Recherche eine wertvolle neue Quelle. Der gewünschte Suchzeitraum kann in der erweiterten Suche festgelegt werden.

Tweets via Direktnachricht
Die Möglichkeit, auf Twitter Direktnachrichten zu versenden, also Tweets, die nur an eine bestimmte Person gerichtet und nicht öffentlich einsehbar sind, gibt es schon lange. Allerdings war die Funktion vergleichsweise versteckt im Benutzermenü. Bei konkurrierenden Diensten wie WhatsApp oder Facebook ist das private Teilen von Nachrichten schon lange eine zentrale Funktion. Twitter ist nun vor einigen Wochen nachgezogen und bietet das bequeme Teilen eines Tweets via Direktnachricht an. Der Vorteil liegt für Anwender zum einen in der schnelleren Bedienbarkeit und zum anderen in der besseren Möglichkeit, den diskreten Austausch etwa mit Kollegen oder Informanten zu organisieren.

Themenbasierte Timelines
In den vergangenenein bis zwei Jahren ist die mediale Präsenz von Twitternachrichten auch in Deutschland stark gewachsen. Insbesondere twitternde Promis, Politiker, Journalisten, Sportler und Aktivisten haben mit dazu beigetragen, dass Twitter in der Berichterstattung thematisiert wird. Gerade den Hashtags – wie etwa aktuell #pegida oder #jesuischarlie kommt eine zentrale Bedeutung zu. Denn Twitter-Kommunikation organisiert sich dadurch immer mehr entlang von Themen und nicht mehr nur anhand einzelner Personen. Zwar war es bisher schon möglich, durch Themensuchen oder Hashtag-Anfragen die aktuellen erwähnten Themen zu finden. Twitter plant nun, mit themenbasierten Timelines das Verfolgen von Themen deutlich zu vereinfachen.

Timeline Highlights
Über Twitter verbreiten sich täglich inzwischen mehr als 500 Millionen Kurznachrichten. Eine Herausforderung, insbesondere für Redaktionen und andere Heavy-User, ist es, die Informationsfülle zu bewältigen. Hunderte oder gar Tausende neue Tweets landen bei Profinutzern tagtäglich in der Timeline. Die Gefahr, dass dabei etwas übersehen wird, ist entsprechend groß. Twitter hat Anfang des Jahres begonnen, mit den sogenannten Timeline Highlights ein neues Feature zu etablieren, sodass wichtige Tweets erneut in der eigenen Timeline prominent angezeigt werden. Was wichtig und was nicht wichtig ist, wertet Twitter automatisch anhand von Relevanzkriterien aus. Eine Rolle spielt dabei, welche Nachrichten besondere Beachtung fanden bei der eigenen Followerschaft und den Twitter-Nutzern, denen man selbst folgt. Twitter schlägt damit eine ähnliche Strategie ein, die Facebook bereits mit der Unterscheidung in „neueste Meldungen“ und „Hauptmeldungen“ verfolgt. Zwar steckt ein gewisses Potenzial in der neuen Funktion, abzuwarten bleibt allerdings, ob es auch bei den Nutzern als solches ankommt oder ob die Unmutsbekundungen ähnlich ausfallen wie damals, als Facebook seinerseits der Informationsflut mittels dieser Funktion etwas entgegensetzen wollte.

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