drehscheibe.org > Das Heft > Internetwerkstatt > Internetwerkstatt: Tools für Multimeda-Storys

Nummer 10/2016

Tools für Multimedia-Storys

 

Es gibt Software, mit der sich Geschichten im Stile eines modernen Storytelling ansprechend fürs Internet aufbereiten lassen. Eine Übersicht.

tl_files/drehscheibe/Heft/Internetwerkstatt/20_sebastian_brinkmann_Fotocredit_Ronny_Hendrichs.jpeg

Sebastian Brinkmann ist Gründer von Journalisten-Tools.de. Er arbeitet hauptberuflich als Director Publishing Services bei der Rheinischen Post Mediengruppe in Düsseldorf.


E-MAIL:

brinkmann@journalisten-tools.de

INTERNET:

www.journalisten-tools.de

 

 

Viele Nachrichten-Portale nutzen die Möglichkeiten des Internets nicht. Zu einem Textbeitrag werden ein oder mehrere Bilder und bestenfalls ein Video veröffentlicht. Dabei ginge mit den richtigen Tools viel mehr: Mit Pageflow, Linius, Atavist, Aesop, Storyform und anderen Werkzeugen kann man die Inhalte zu einer fesselnden Multimedia-Geschichte aufbohren. Auf die Weise kann die Redaktion gute Recherche-Geschichten veröffentlichen und damit die Loyalität der User steigern. Am Anfang steht die gute Geschichte, die mit Text, Bildern, Videos, O-Tönen und vielleicht sogar 360-Grad-Panoramen erzählt werden kann. Wer nur ein, zwei Bilder hat, sollte nicht über Storytelling nachdenken. Neben der guten Geschichte braucht man Zeit, denn die Tools verlangen eine gewisse Eingewöhnungszeit.

Unterschiedliche Kosten

Die Tools für Storytelling kann man in zwei Gruppen einteilen:
Pageflow, Atavist und andere werden von Firmen angeboten, auf deren Websites man sich nur registrieren und einen passenden Tarif
auswählen muss, um zu starten. Pageflow, das in Zusammenarbeit mit dem WDR entwickelt wurde, kann man auch selbst hosten, aber das gelingt nur Experten. Diese Tools sind für Redaktionen interessant, die wenig technische Expertise haben – und bereit sind,
im Gegenzug etwas mehr Geld auszugeben. Pageflow kostet mindestens 8,50 Euro im Monat. Wer die Geschichten unter einer eigenen Internet-Adresse (Domain) veröffentlichen möchte, zahlt 49 Euro im Monat. Atavist ist im Basispaket kostenfrei. Wer auch hier eine eigene Internet-Adresse und ein eigenes Logo verwenden möchte, zahlt mindestens 8 USDollar im Monat.

Sind Wordpress-Experten an Bord?

Günstiger wird Storytelling für die, die sich mit dem kostenfreien Redaktionssystem Wordpress auskennen: Für Wordpress gibt es viele Erweiterungen, die die Veröffentlichung von Multimedia-Geschichten einfacher machen. Zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk wurde zum Beispiel Linius entwickelt. Das sogenannte Theme (quasi ein Layout-Set für Wordpress) kostet für kommerzielle User 25 Euro. Aesop ist im Basispaket kostenfrei. Der Anbieter möchte Geld mit kostenpflichtigen Modulen und besonderen Designs verdienen. Diese muss man einmalig kaufen und nicht monatlich mieten. Storyform wiederum ist zwar ein Wordpress-Plugin, aber bei intensiver Nutzung (mehr als eine Multimedia- Geschichte pro Monat) muss man 8 US-Dollar pro Monat an den Anbieter bezahlen – auch wenn die Geschichte auf dem eigenen Server läuft.

Wordpress selbst ist kostenfrei und lässt sich bei fast jedem Anbieter (1&1, Strato, Domainfactory etc.) auch in einfachen Paketen hosten. Die Verantwortung für den Betrieb und das regelmäßige Aktualisieren von Wordpress und seinen Erweiterungen liegt aber in der Hand der Redaktion. Das sollten Anfänger nicht unterschätzen. Auch sollte man im Blick
behalten, wie viele Zugriffe man auf die eigene Multimedia-Geschichte erwartet – und den Server entsprechend dimensionieren.

Viel Arbeit, kurzfristig wenig Ertrag

Stichwort Reichweite: Storytelling- Tools sind nicht darauf ausgelegt, kurzfristig viele Seitenabrufe zu generieren – weil der Anwender die Geschichte in der Regel auf einer Seite vorfindet und deshalb, anders als bei einer Bilderstrecke, nur einen Seitenabruf und nicht Dutzende generiert. Wer aber seinen Nutzern zeigen möchte, wie guter Journalismus im Netz aussehen kann, sollte die Mühe investieren.

Da sich klassische Werbe-Banner nur schwer einbinden lassen, sollte man einen Sponsor suchen, der dezent in die Online-Geschichte eingebunden wird und zum Beispiel bei Hinweisen in der Zeitung genannt wird.  Alternativ kann man die aufwendigen Geschichten nur Abonnenten zugänglich machen.

Für die erste Multimedia-Geschichte sollte man verschiedene Tools testen. Eine generelle Empfehlung für das ein oder andere Tool ist schwierig, weil es sehr auf die Geschichte ankommt und die eigenen Ansprüche an die aufwendige Gestaltung. Eine Übersicht ausgewählter Storytelling-Beispiele finden Sie auf meiner Website.

Kommentar