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Nummer 7/2014

Multimedial erzählen

 

Mit dem Tool Pageflow können Redakteure Reportagen mit großen Bildern, Videos, Grafiken und Audio-Elementen erstellen.

Steffen Büffel berät Verlage und Redaktionen in den Bereichen Workflow, Crossmedia, Social Media und Online-Strategien


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Interaktive Erzählformate, die der Ästhetik der berühmten Multimedia-Reportage „Snowfall“ der New York Times nachempfunden sind, wurden vereinzelt auch schon in deutschen Redaktionen produziert. Bisher war diese Art des digitalen Geschichtenerzählens aber Medienhäusern vorbehalten, die sich eine Projektredaktion und das Engagement externer Agenturen leisten konnten. In dieser Internetwerkstatt stellt die drehscheibe das kostenlose Tool Pageflow vor, das multimediales Storytelling auch kleinen Häusern und freien Journalisten ermöglicht.
 

 Was ist Pageflow?

Pageflow ist ein Werkzeug, mit dem großflächige Bilder, Videos, Grafiken und Audio-Elemente auf einer webbasierten Oberfläche zu einer Multimedia- Reportage arrangiert werden können. Autoren können sich dabei auf die Inhalte und das Erzählen der Geschichte konzentrieren, denn technisches Detailwissen ist bei der Bedienung nicht erforderlich. Entwickelt wurde Pageflow von der Kölner Agentur Codevise in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk. Technisch verbirgt sich dahinter eine Anwendung, die auf der Skriptsprache Ruby on Rails basiert.

Wie funktioniert Pageflow? 

Das Tool kennt drei Ansichten: Nach der Anmeldung wird eine Übersicht über alle bisher angelegten Beiträge, über alle daran beteiligten Redakteure, das Erstellungsdatum und die letzten Änderungen angezeigt. Von dort aus kann die Nutzerverwaltung aufgerufen werden, in der Administratoren neue Nutzer einladen oder bestehende sperren oder entfernen können. Hinter der Editoransicht steckt das eigentliche Arbeitsinstrument von Pageflow.

Mit dem Editor kann der Journalist seine Multimedia-Reportage bauen und dabei Text, Bild, Video, Diagramme und diverse weitere Spezialdarstellungen, wie etwa 360-Grad-Ansichten, integrieren. Die Gliederungslogik von Pageflow sieht vor, dass ein Beitrag aus mehreren Kapiteln und jedes Kapitel wiederum aus Seiten besteht. Durch das Anlegen von Kapiteln und Seiten entsteht nach und nach eine einzige lange Internetseite, die von oben nach unten durchgescrollt werden kann. Inhalte werden dabei durch Wischen und Scrollen erschlossen. Das Anlegen von Seiten ist erfreulich einfach. Textfelder mit Überschrift und Unterzeilen sind nur auszufüllen, Multimedia-Elemente können aus einer Liste vorgegebener Vorlagen ausgewählt werden. Lediglich die Bild- und Videodateien müssen über eine Hochladefunktion auf den Server übertragen und anschließend in die Seite integriert werden. Als Übergänge zwischen den einzelnen Seiten kann der Nutzer derzeit zwischen zwei Effekten wählen: überblenden oder scrollen. Weitere Effekte wären hier ebenso wünschenswert wie zum Beispiel eine Möglichkeit, eigene Designvorlagen zu verwenden. Sämtliche Änderungen an einem Beitrag werden direkt als Live-Vorschau dargestellt, was effizientes Arbeiten ermöglicht.

Welche Zusatzfunktionen bietet Pageflow?

Das Tool kann im Team genutzt werden. Dazu ist es erforderlich, die Teammitglieder zunächst als Nutzer anzulegen und für den Zugang zum betreffenden Beitrag freizuschalten. Darüber hinaus ist die Medienverwaltung gut gelöst. Hochgeladene Videos werden automatisch so kodiert, dass Pageflow-Reportagen auf den meisten Endgeräten angezeigt werden können – auch bei kleineren Bandbreiten.

Welche technischen Voraussetzungen sind erforderlich? 

Pageflow wird derzeit nur als Open Source angeboten. Die Nutzung ist also kostenlos, bei der Installation muss jedoch Spezialwissen über Ruby on Rails vorhanden sein. Es werden zwar umfassende Anleitungen gegeben, diese richten sich jedoch eher an Programmierer oder Systemadministratoren, die mit dem Fachjargon vertraut sind. Damit die in Beiträgen eingebauten Videos auch auf allen Endgeräten und bei unterschiedlichen Bandbreiten der Datenverbindung laufen, setzt Pageflow auf die Zusatzdienste Zencoder und die Cloud-Computing-Plattform von Amazon. Beide Dienste sind kostenpflichtig. Der Preis hängt vom monatlichen Datenvolumen ab. Eine gehostete Version von Pageflow ist laut Hersteller in Vorbereitung. Diese wird dann zwar nicht mehr kostenlos sein, aber die Hürden bei der Installation der Open-Source-Variante fallen dann weg.

Fazit

Das Versprechen, dass sich Autoren bei der Erstellung ihrer Multimedia-Reportagen auf die Inhalte und die Geschichte konzentrieren können, wird weitgehend eingelöst. Leider ist die Installation der Open-Source-Version für Nicht-Entwickler ohne fachliche Unterstützung nur schwer machbar. Hier sind Redaktionen auf die Administratoren im Haus angewiesen. Wenn die gehostete Variante demnächst kostengünstig angeboten wird, dürfte Pageflow für viele Medienhäuser und auch für freie Journalisten und Blogger interessant werden.

Links

Auf der Pageflow-Website können sich Interessierte bereits jetzt vormerken lassen, um möglichst früh einen Zugang zu der Plattform zu erhalten.
Hier geht’s zur Seite: www.pageflow.io

Beispiele, wie der WDR Pageflow für Online-Reportagen verwendet, finden sich hier: reportage.wdr.de/

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