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Nummer 06/2015

MoJos beim Lokaltermin

 

Das Smartphone macht’s möglich: Jeder Journalist ist heute potenziell ein Mobiler Journalist. Aber wie geht das in der Praxis? Konkrete Tipps für alle, die sich ins Getümmel stürzen wollen.

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Bernard Lill arbeitet als Journalist, Berater und Trainer in Hamburg. Seine Schwerpunkte sind Mobile Journalism, Digital Storytelling, Social Media und Texten fürs Web. Außerdem betreibt er den Blog Dermedientyp.de.


E-MAIL:

bernhard.lill@mail.de

INTERNET:

www.dermedientyp.de.

 

 

Viele Tageszeitungen bitten ihre Mitarbeiter, von Terminen auch Material fürs Internet mitzubringen: Fotos, Video-Clips und Audio-Mitschnitte. Eine teure Zusatzausrüstung ist dafür nicht notwendig. Denn die meisten Journalisten tragen bereits ein Produktionsstudio mit sich herum – ihr Smartphone. Der Trend, journalistische Beiträge fürs Web mit dem Handy zu produzieren, nennt man „Mobile Journalism“ oder „Mobile Reporting“. Er ist, wie die Begriffe zeigen, im englischsprachigen Raum weiter verbreitet als in Deutschland.

Was für ein Smartphone brauche ich?
Das Smartphone sollte eine gute Kamera haben. Es muss kein iPhone sein. Zwar zeichnen sich die Apple-Geräte seit dem iPhone 4s durch gute oder sogar sehr gute Kameras aus, doch es gibt auch Android-Smartphones, die qualitativ gelungene Fotos und Videos fürs Netz liefern. Vorteile der Apple-Geräte: Hardware und Apps sind gut aufeinander abgestimmt. Sprich: Die Gefahr, dass es bei der Arbeit hakt und ruckelt, ist geringer als bei Android-Handys. Außerdem bietet Apples App-Store eine größere Vielfalt an Foto- und Film-Apps. Und an Software, mit denen das Material bearbeitetet werden kann.
Vorteil vieler Android-Geräte: Die Batterien lassen sich selbst tauschen, und der interne Speicher lässt sich durch günstige SD-Karten erweitern. Außerdem werden bei Android-Smartphones Vorjahresmodelle oft deutlich günstiger verkauft als die aktuellen Handys; dabei stehen sie diesen in der Leistung kaum nach. Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone spielen im mobilen Journalismus bisher kaum eine Rolle – wegen des noch geringen App-Angebots. Fachzeitschriften wie Chip, Computerbild und c’t und Stiftung Warentest können bei der Auswahl des geeigneten Smartphones helfen.

Wie bekomme ich einen guten Ton?
Für Audio-Interviews reicht meist das eingebaute Mikrofon, wenn man es dem jeweiligen Interviewpartner nahe genug an den Mund hält. Beim Filmen sieht das anders aus. Steht der Interviewte oder der Reporter weiter entfernt, können ihn Umgebungsgeräusche wie etwa Verkehrslärm schnell übertönen. Abhilfe schaffen hier externe Mikrofone. Beliebt bei MoJos (mobilen Journalisten) sind das Ansteck-Mikrofon Smartlav+ der australischen Firma Rode (ab 59 Euro) und das Hand-Mikrofon iRig Mic (ab 43 Euro). Beide verfügen über den für Smartphones notwendigen vierpoligen Stecker. Wer ein gängiges Reportage-Mikrofon mit XLR-Stecker besitzt und es an einem Handy benutzen möchte, braucht einen Vorverstärker. Den bekommt man mit dem iRig Pre ab 24 Euro.

Welche Ausrüstungsgegenstände sind noch nützlich?
Wer viel mit dem Smartphone filmt, fotografiert oder mobile Datenverbindungen nutzt, wird schnell an die Grenzen des Akkus gelangen.
Dieser hält dann nur wenige Stunden. Ist die Batterie nicht austauschbar und sind keine Steckdosen in der Nähe, helfen externe Akkus. Je nach Kapazität laden sie ein Handy einmal oder mehrmals vollständig auf. Akku-Packs mit 5.000 mAh stellen einen guten Kompromiss zwischen Leistung und Gewicht dar. Sie werden von Firmen wie Anker, RAVPower und EasyAcc hergestellt und kosten ab 15 Euro.
Wer sein Smartphone beim Filmen nur mit der Hand hält, läuft Gefahr, dass das Video verwackelt. Lösung: kleine Tisch-Stative mit biegsamen oder magnetischen Beinen, die man auch an Ästen oder Eisengeländern anbringen kann. Solche Stative stellt zum Beispiel die Firma Joby her. Die Serie heißt Gorillapod. Um das Smartphone auf ein Stativ zu schrauben, braucht man eine Halterung mit Gewinde. Die gibt es bereits ab zehn Euro im Internet. Alternative: das hochwertig verarbeitete Shoulderpod S1 (30 Euro) der gleichnamigen spanischen Firma. Die Halterung fasst selbst große Smartphones sicher. Das Shoulderpod kann auf ein Stativ geschraubt werden. Oder man benutzt den kleinen beiliegenden Griff, der das Handy beim Filmen auch schon gut stabilisiert.

Welche Apps helfen bei der Produktion?
Apple: Für Audio-Aufnahmen eignet sich Voice Recorder Pro, die beste App fürs Filmen ist Filmic Pro. Mit Lumify können auch Video-Anfänger leicht kurze Nachrichtenfilme drehen und gleich mit dem Handy schneiden.
ProCamera 8 erweitert die manuellen Einstellmöglichkeiten der internen Kamera. Über Twitter lassen sich nicht nur Kurztexte über das soziale Netzwerk teilen, sondern auch Fotos und Filmschnipsel (bis 30 Sekunden, siehe hierzu auch die Internetwerkstatt in der drehscheibe 6/15). Das ist gut geeignet für Live-Berichterstattung und um spätere Beiträge auf den Webseiten anzuteasern. Android: Field Recorder bietet viele Einstellmöglichkeiten für Audio-Aufnahmen, Cinema FV-5 ist eine Standard-App fürs Filmen, Video Editor & Maker fürs schnelle Schneiden, Camera FV-5 für Fotos, und Twitter gibt’s natürlich auch als Android-App.
 

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