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Nummer 13/2014

Facebooks neuer Newsfeed

 

Die Änderungen, die Facebook in der Neuigkeiten-Spalte vornimmt, haben auch Folgen für die Fanseiten von Verlagen.

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Steffen Büffel berät Verlage und Redaktionen in den Bereichen Workflow, Crossmedia, Social Media und Online- Strategien.


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www.media-ocean.de

 

 

Bereits in der Ausgabe 2/2013 haben wir die Filter vorgestellt, die Facebook verwendet, um Nutzern in ihren Facebook-Profilen nur
bestimmte Inhalte anzuzeigen. Mit dem sogenannten „Edge Rank“ berechnet Facebook voll automatisch für jeden Nutzer, wie relevant ein Inhalt ist, der von einem Facebook-Kontakt oder einer Fanseite veröffentlicht wurde. Nun will das Unternehmen weitere Änderungen am Newsfeed vornehmen. In der überarbeiteten Ansicht der Neuigkeiten bekommen Nutzer mehr Möglichkeiten als bisher, selbst zu gewichten, was ihnen im Newsfeed angezeigt werden soll.
Künftig wird es den Nutzern erleichtert, jeden Beitrag eines Facebook-Freundes, einer Facebook-Gruppe oder Facebook-Seite im eigenen Nachrichtenstrom auszublenden. Dabei kann entschieden werden, ob dieser
nur einmal ausgeblendet werden soll oder ob Neuigkeiten eines bestimmten Nutzers, einer bestimmten Gruppe oder Fanseite künftig völlig verborgen werden sollen. War der bisherige Edge Rank mit seiner automatischen
und individuell zugeschnittenen Relevanzberechnung der eigentliche Agendasetter für die Nachrichten, die ein Facebook-Nutzer erhält,
so verschärft sich dies nun dahin gehend, dass die User selbst aktiv eingreifen können. Für Redaktionen besteht die Herausforderung noch mehr als zuvor darin, genau zu verstehen, welche Themen für eine Aufbereitung auf Facebook geeignet sind und von den eigenen Fans als relevant angesehen werden. Folgende Tipps helfen Redaktionen dabei, Facebook-Inhalte zielgruppengerecht aufzubereiten.

1. Aus Statistiken lernen

Facebook bietet mit den Statistiken für Seitenbetreiber einen Überblick über die Zusammensetzung der eigenen Fans, wertet aus, welche Beiträge wie häufig angezeigt und geklickt wurden und welche Reichweite sie erzielt haben. Daraus lässt sich ablesen, welche Themen beliebt und welche auf wenig Resonanz gestoßen sind. Außerdem enthält die Analyse wertvolle Hinweise darauf, ob die Fans überwiegend im Verbreitungsgebiet leben
oder nicht. Besonders aufschlussreich ist die Auswertung, wann die eigenen Fans online sind. So kann die Redaktion untersuchen, ob es von Vorteil ist, bestimmte Themen nicht direkt morgens zu veröffentlichen, sondern erst
am Nachmittag. Die Statistiken finden sich im Administrationsbereich für Facebook-Seiten und sind nur den Administratoren zugänglich.

2. Der richtige Beitragstyp

Das Hauptziel, das Tageszeitungen mit Facebook-Seiten verfolgen, ist in der Regel, Facebook-User mit Links auf die Website der Tageszeitung zu lenken. In der Praxis wird dabei unterschiedlich vorgegangen. Die einen veröffentlichen ein Status-Update und kopieren einen Link in das Textfeld. Andere posten ein Foto und fügen darunter einen Text mit Link auf den Beitrag der Webseite ein. Beides ist nicht optimal, weil es vorkommen kann, dass die Nutzer am Ende gar nicht auf den Link klicken. Klickt man zum Beispiel auf das veröffentlichte Foto, öffnet sich nicht etwa der
darunter gepostete Link, sondern das Foto in Großansicht. Wer erreichen will, dass die User auf den Link klicken, sollte einen Link im
Status veröffentlichen und das von Facebook daraufhin automatisch akquirierte Text- und Bildmaterial der eigenen Website verwenden.

3. Texten für Facebook

Wer auf Facebook besser wahrgenommen werden will, sollte auf die richtige Formulierung achten. Beim Teilen eines Links auf der eigenen Facebook-Seite bietet der Dienst die Option an, Überschrift und Fließtext vor der
Veröffentlichung zu bearbeiten. Dazu muss man lediglich auf die entsprechende Textstelle klicken. Blumige, feuilletonistische Überschriften
erregen online nur wenig Interesse. Texten Sie konkret und setzen Sie Themenreize, um die Facebook-User anzusprechen.

4. Hashtags gezielt einsetzen

Hashtags sind Schlüsselbegriffe, die mit einem Rautezeichen markiert werden. Klickt ein Nutzer auf einen Hashtag, werden verwandte Artikel angezeigt, die den gleichen Hashtag verwendet haben. Wichtig ist es, vorher
herauszufinden, welche Themen gerade hoch im Kurs stehen. Im November waren das zum Beispiel #Mauerfall oder als wiederkehrendes Event der #Martinsumzug.

5. Gesponserte Nachrichten

Der effektivste Weg, die Sichtbarkeit zu erhöhen, ist die Bewerbung eigener Beiträge – die Verwendung gesponserter Nachrichten. Sie werden je nach Budget bei einem breiteren Personenkreis in den Neuigkeiten eingeblendet.
Als Seitenbetreiber können Sie dabei selbst entscheiden, ob die Nachricht nur Ihren bereits vorhandenen Fans angezeigt wird oder Ihren Fans und deren Freunden. Eine dritte Option besteht darin, die Zielgruppe selbst nach Kriterien wie Alter, Geschlecht oder Wohnort festzulegen. Je nach Anzahl der Fans Ihrer Seite, den gewählten Zielgruppeneinstellungen und der
theoretischen Reichweite können Sie mit Beträgen zwischen fünf und 25 Euro bereits mehrere Tausend Personen zusätzlich erreichen. Es mag zunächst widersinnig klingen, die eigenen Beiträge gegen Geld auf Facebook
zu bewerben, in der Praxis zeigt sich aber, dass so mehr User auf Ihre Webseite gelangen und dort weitere Texte lesen und mit den Werbeanzeigen Ihrer Onlinekunden in Kontakt kommen.

Fazit

Das Wachstum des Netzwerkes und die zunehmende Zahl an Kontakten und Fanseiten zwingen Facebook dazu, weiter an den Filtern zu arbeiten. Man könnte dem Unternehmen unterstellen, das nur zu tun, um User dazu zu
bewegen, noch mehr Geld für gesponserte Nachrichten auszugeben. Letztlich müssen die Verlage selbst entscheiden, ob sie sich darauf einlassen wollen. Da Facebook absehbar das relevanteste soziale Netzwerk in Deutschland bleiben dürfte, ist es in jedem Fall wichtig, sich mit den Facebook-Filtern und den regelmäßigen Änderungen des Auftritts auseinanderzusetzen, um mehr Besucher auf die eigene Webseite zu ziehen.

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