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Nummer 13/2013

Die interessante Pinnwand

 

Alles Facebook, oder was? Mitnichten! Das soziale Netzwerk Pinterest macht den großen sozialen Netzwerken Konkurrenz. Verlage könnten damit neue Leser gewinnen.

Steffen Büffel berät Verlage und Redaktionen in den Bereichen Workflow, Crossmedia, Social Media und Online-Strategien


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Neben den Platzhirschen im Bereich der sozialen Netzwerke hat der Dienst Pinterest rasant steigende Zuwächse bei Nutzerzahlen, Besuchern und Inhalten zu verzeichnen. Der Name Pinterest setzt sich zusammen aus „Pin“ und „Interest“ – es handelt sich also um einen Dienst für „interessante Pinnwände“. Über diese Pinnwände werden Besucher und Nutzer auf externe Internetseiten gelotst, weshalb Online-Shops, Markenportale und inzwischen auch Medienhäuser das Potenzial des Dienstes zur Erreichung neuer Zielgruppen und der viralen Verbreitung ihrer Inhalte erkannt haben.

Was ist Pinterest?

Pinterest ist ein soziales Netzwerk, bei dem das Veröffentlichen, Teilen, Kommentieren und Weiterverbreiten von Bildern im Mittelpunkt steht. Laut Comscore ist die Zahl der monatlichen Besucher auf Pinterest.com in Deutschland seit 2012 um über 180 Prozent gestiegen. Das Start-up arbeitet derzeit noch mit Kapitalgebern und feilt an einem Geschäftsmodell, das aller Wahrscheinlichkeit nach vor allem auf Werbeformate setzen wird. In den USA wird der Dienst laut Marktforschungen vor allem von Frauen in einkommensstarken Haushalten genutzt. Nicht zuletzt deswegen bieten die Entwickler von Pinterest inzwischen spezielle Zugänge für Unternehmen an, die mit den Seiten für Marken und Unternehmen auf Facebook oder Google+ vergleichbar sind.

Wie funktioniert der Dienst?  

Nutzer können sich kostenlos ein eigenes Profil erstellen, Pinnwände anlegen, Bilder, Grafiken und Fotos als Pins veröffentlichen oder aber bereits bestehende Pinnwände anderer Nutzer abonnieren. Pinterest ist in mehrere Dutzend Themenkategorien untergliedert, sodass sich zu fast allen Bereichen des Lebens Pinnwände und Inhalte finden lassen. In dieser Bilderflut und der Möglichkeit, sich davon treiben zu lassen, liegt offenbar der Reiz für die Nutzer. Neben Bildern von Konsumgütern, Mode, Immobilien und Autos finden sich zum Beispiel auch bebilderte Kochrezepte, Bastelund Deko-Tipps, Fotos von Reisereportagen, lokalen Ereignissen und anderen Themen von öffentlichem Interesse.

Wie können Redaktionen Pinterest nutzen?

Während in den USA schon zahlreiche nationale und lokale Blätter auf Pinterest vertreten sind, sind deutsche Medienhäuser bis auf wenige Ausnahmen noch zurückhaltend. Dabei bietet der Dienst über ein entsprechendes Plug-in für externe Website-Betreiber die Möglichkeit, Inhalte auf Pinterest viral zu verbreiten. In der Praxis ähnelt die Funktion dem „Gefällt mir“-Button von Facebook. Klickt ein Nutzer bei einem Artikel auf der Nachrichtenseite auf den „Pin it“-Button, wird das Foto eines Artikels inklusive Link zur Quelle zusammen mit einer persönlichen Kommentierung in seinem Pinterest-Profil veröffentlicht. Foto und Link zur Nachrichtenseite können sich dadurch auf Pinterest verbreiten, was dazu führt, dass neue Besucher auf der Website des Medienhauses landen.

Deutsche Zeitungen auf Pinterest

Eine deutsche Lokalzeitung, die bereits auf Pinterest vertreten ist, ist der Trierische Volksfreund. Die Zeitung präsentiert zum Beispiel Leserfotos, Bilder von regionalen Nachrichten, auf einer weiteren Pinnwand sammelt sie Fundstücke aus dem Internet. Die Zeit nutzt ihr starkes Bildmaterial von Mode-Events, bündelt Rezepte, Infografiken und andere Themen. Für die Redaktion der Autobild ist auch auf Pinterest der Name Programm. Hier dreht sich alles rund um das Thema Auto.

Was ist mit den Urheberrechten?

Der einfache Mechanismus, Bildmaterial von anderen Seiten per Mausklick als Kopie auf Pinterest weiterzuverbreiten, hat neben den positiven Effekten in puncto Reichweite und Verbreitung auch eine urheberrechtliche Komponente. Dies ist in Deutschland in dem Sinne klar geregelt, dass das Einverständnis des Urhebers gegeben sein muss. Die Praxis im Bereich Social Media und hier eben auch bei Pinterest zeigt aber, dass das so geregelte Urheberrecht nur schwer mit der Realität in den sozialen Netzwerken vereinbar ist, insbesondere bei Bildmaterial. Medienhäuser müssen abwägen, ob für sie die Vorteile durch die Verbreitung ihrer Inhalte oder die urheberrechtlichen Nachteile überwiegen. Hier deutet aufgrund der Erfahrungen mit Facebook-Seiten einiges darauf hin, dass die Vorteile größer sind. Dennoch sind die Nutzungsrechte zwischen Medienhaus und Fotografen unter Umständen neu zu klären.

Fazit

Pinterest gewinnt auch in Deutschland an Bedeutung. Für Redaktionen eröffnet sich eine interessante Plattform, um Bildinhalte neu zu verpacken und so den Nutzern an die Hand zu geben. Neue Zielgruppen können erreicht und Besucherströme auf die eigenen Online-Portale gelenkt werden. Wie bei vielen Entwicklungen im Internet entstehen vor allem Fragen in Bezug auf das Urheberrecht. Bevor Redaktionen bei Pinterest aktiv werden, ist es sinnvoll, den jeweils aktuellen Stand der Rechtsprechung in diesem dynamischen Bereich zu klären.

Kommentar

Kommentar von Fadir | 10.04.2016

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