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Nummer 12/2014

Daten visualisieren

 

Datenjournalismus ist die Kür im Online-Journalismus. Datawrapper hilft dabei, Daten verständlich aufzubereiten und den Arbeitsaufwand dabei gering zu halten.

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Steffen Büffel berät Verlage und Redaktionen in den Bereichen Workflow, Crossmedia, Social Media und Online- Strategien.


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In vielen Redaktionen sind es knappe Ressourcen, die die Arbeit mit visuellen Darstellungsformen verhindern. Mit dem Tool Datawrapper können Zahlen in verständliche Diagramme verwandelt werden. Was ist Datawrapper? Es handelt sich um ein webbasiertes Werkzeug zur Erstellung von Diagrammen, die anschließend auf anderen Webseiten eingebunden oder in der Print-Berichterstattung genutzt werden können. Der Dienst wurde für die Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV) entwickelt und ist seit 2011 am Markt. Die Nutzung ist kostenlos, ab 1. Dezember allerdings nur, wenn der Nutzer das erstellte Diagramm selbst hostet. Das bedeutet, dass das Diagramm nach der Erstellung auf den eigenen Rechner heruntergeladen und danach selbst wieder hochgeladen werden muss. Andernfalls werden zwölf Euro für 30 Tage Nutzung fällig.

Wie kann der Dienst genutzt werden?
Datawrapper wird in zwei Varianten angeboten. Diagramme können nach vorheriger Registrierung auf der Website direkt auf Datawrapper.de erstellt und auch dort gespeichert werden. Für Redaktionen eignet sich diese Variante zum schnellen Einstieg und zum Testen. Für die langfristige Verwendung im redaktionellen Alltag sollte die Wahl auf diemzweite Variante fallen. Über die Open-Source-Plattform Github kann der Quellcode von Datawrapper kostenlos bezogen und anschließend auf einem eigenen Server installiert und betrieben werden.

Wie funktioniert der Dienst?
Das Erstellen eines neuen Diagramms ist in vier Schritte gegliedert, durch die der Nutzer über eine verständlich aufbereitetes Menü Schritt für Schritt geführt wird. Die Daten können entweder direkt in ein Eingabefeld eingegeben oder kopiert werden. Alternativ können Daten auch aus einer Excel-Tabelle importiert und als CSV-Datei hochgeladen werden. Im zweiten Schritt können die Daten nochmals überprüft, Beschreibungen, eine Quellenangabe und ein Link zur Datenquelle angegeben werden. Die eigentliche Visualisierung findet im dritten Schritt statt. Hier können aus zehn verschiedenen Diagrammtypen die passende Darstellungsvariante und die gewünschte Größe ausgewählt werden. Datawrapper erlaubt die Erstellung von Linien, Balken und Säulendiagrammen. Auch Torten- oder Donut-Darstellungen sind möglich. Insbesondere für den Einsatz bei Wahlen eignet sich die Darstellungsvariante für Sitzverteilungen. Topografiken in Form von Landkarten bietet der Dienst auch, allerdings befindet sich diese Funktion noch im Beta-Stadium. Neben der Auswahl des Diagrammtyps können in zwei weiteren Menüpunkten zum einen Farben, Reihenfolge und Hilfslinien festgelegt und zum anderen eine Überschrift sowie wie eine Beschreibung hinzugefügt werden. nachdem alle Einstellungen vorgenommen wurden, kann das Diagramm veröffentlicht werden. Im abschließenden vierten Schritt werden der direkte Link zum soeben erstellen Diagramm und der Code zum Einbinden auf einer anderen Webseite angezeigt. Das Diagramm kann zur weiteren Verwendung in gedruckten Medien auch exportiert werden. Da Datawrapper Diagramme als Vektoren anlegt, ist eine professionelle Druckqualität gewährleistet.

Wer nutzt Datawrapper?
Laut ABZV-Website wird das Tool bereits von zahlreichen Redaktionen verwendet. In Deutschland nutzen zum Beispiel die Ruhr Nachrichten, die Mittelbayerische Zeitung und die Rhein-Zeitung den Dienst. Das Spektrum reicht dabei von kompakten Balkendiagrammen, die in eine umfassendere Berichterstattung eingebunden werden, bis hin zu Formaten, in denen die Visualisierung für sich alleine steht. Insbesondere bei Wahlen nutzen Redaktionen Datawrapper, um Sitzverteilungen und Vergleiche zu vorangegangen Wahlen darzustellen.

Welche Alternativen gibt es?
Datawrapper vereinigt in einem leicht zu bedienenden Dienst die für den redaktionellen Alltag gebräuchlichsten Diagramm-Formate. Google bietet mit seinen Google Charts einerseits zwar noch mehr Formate, setzt aber auch mehr technisches Knowhow voraus. IBM stellt mit Many Eyes eine Vielzahl an Visualisierungsvarianten zur Verfügung, die für spezielle Anlässe interessant sind. So lassen sich etwa sogenannte Wortwolken erstellen. Der Dienst Infogram ist eine Alternative, wenn es darum geht, mehrere Diagramm-Typen in einer einzigen Darstellungsform zu vereinen. Sind Landkarten und Topografiken gefragt, bieten sich Dienste wie Stepmap oder Google Maps an.

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