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19. Forum Lokaljournalismus in Waiblingen

Kommunikation der Zukunft:

Die neue Architektur des Lokaljournalismus

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Die Zeitung der Zukunft ist nur mit einem neuen Lokaljournalismus möglich. Um erfolgreich zu sein, braucht er Vordenker und Visionäre. Denn durch Wirtschaftskrise, schrumpfende Anzeigenerlöse, sinkende Abozahlen und die digitale Konkurrenz stehen die regionalen und lokalen Medienhäuser mächtig unter Druck. Sie suchen nach Erfolgsmodellen, profitablen Nischen und nach einer neuen Architektur für den Lokaljournalismus. Aber: Wie muss dieser neue Lokaljournalismus aussehen? Woraus besteht sein Fundament? Wie berechnet sich seine Statik? Was bleibt Gerüst und was lediglich Schmuckwerk?

Es geht um eine Standortbestimmung und -behauptung, auch im Internet. Nie war die Entwicklung so spannend, bewegte sich Lokaljournalismus so sehr zwischen Aufbruch und Unsicherheit wie auf dem Weg ins Netz: Lokaljournalistinnen und -journalisten müssen crossmedial arbeiten und ihr Publikum auf verschiedenen Kanälen erobern. Deshalb ist es entscheidend, dass Lokalredaktionen noch stärker auf ihre Profession bauen, auf engagierte und fundierte Recherche, Klarheit, Verständlichkeit und Übersichtlichkeit.

Es geht auch um neue Kommunikationsmodelle, um mobile Dienste und Apps – um Ideen für die Vernetzung von Print und Online. Vor allem aber geht es um die Rolle der Akteure, die sich in diesem Prozess wandelt und die ihren Platz sucht. Denn die Wertigkeiten in der Medien- Gesellschaft ändern sich. Der Moment der Reflexion des eigenen Handelns wird überlagert von Sensation und Schnelligkeit. Gründlichkeit und Information geraten ins Hintertreffen. Der Ruf nach einer neuen Ethik-Debatte bahnt sich an. Wer bestimmt, was erlaubt ist? Und in wieweit nehmen Spin-Doktoren, PR-Lobbyisten und Unternehmensberater bereits Einfluss auf die Berichterstattung oder gar auf den Zuschnitt der Medienhäuser? Wie beeinflusst Politik die Berichterstattung und umgekehrt?

Dies führt zu den zentralen Fragen: Welche Aufgaben haben die Medien in der Demokratie der digitalisierten Welt? Wer leitet heute tatsächlich den Kommunikationsprozess? Das Publikum, so viel ist klar, hat in diesem Umfeld der Informationsvielfalt einen hohen Anspruch an Journalisten. Leser und User wollen den direkten Kontakt, fordern Orientierung und Meinung. Lokalredakteurinnen und -redakteure haben hier immer noch ihren Heimvorteil und die Chance, stellvertretend für ihre Leser die richtigen und wichtigen Fragen zu stellen, getreu dem Leitsatz des Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker: „Information ist nur das, was man versteht.“

Die Herausforderungen für den neuen Lokaljournalismus sind groß. Fertige Blaupausen für seine Zukunft gibt es nicht. Aber wahrscheinlich gilt noch immer das, was Herbert Riehl-Heyse feststellte, und ich etwas abgewandelt zitieren möchte: Die elektronischen Medien atomisieren die Wirklichkeit, ... die Journalisten stellen sie wieder bis zur Kenntlichkeit her. Daher brauchen wir eine neue Architektur – für den Lokaljournalismus von morgen.

Berthold L. Flöper
Leiter Lokaljournalistenprogramm
Bundeszentrale für politische Bildung

Den pdf-Flyer mit weiteren Informationen und den Referenten gibt es hier zum Download